Bücher ins Bücherregal einsortieren...
Kategorien
Willkommen bei den schönen Büchern
Ein seltsames Buch taucht auf, dessen Zeichen nicht zu entschlüsseln sind, unwirkliches Licht, geraunte Warnungen eines Bibliothekars. Was steckt hinter den mysteriösen Vorkommnissen? Gemeinsam mit dem Protagonisten von Die andere Stadt bewegt man sich durch ein verschneites Prag, in dem zunehmend die Realität ausfranst und sich Hinweise auf eine paradoxe Parallelwelt mehren.
Mit wunderschöner Sprache lockt Michal Ajvaz die Lesenden in seine Erzählung, um ihnen dann den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Es wird surreal und ziemlich absurd, wenn Meerestiere um Kirchtürme schweben, Skifahrerinnen über Bettdecken-Berge abfahren und unter Gullideckeln eine Messe gelesen wird.
Gerne habe ich mich mittragen lassen von den opulenten Fantasie-Passagen, die irritieren, bezaubern oder zum Schmunzeln bringen und durch Ajvaz‘ Schreibkunst stets Lesevergnügen bereiten. Ein außergewöhnliches Buch, das auf verschiedene Arten les- und genießbar ist!
Marlen Heislitz organisiert bei der Büchergilde den Bereich Unternehmenskommunikation und liebt Speculative Fiction.
Nelka von Svenja Leiber ist ein kluges und sanftes Buch, so sanft wie die Protagonistin. Sie schreit nicht nach Rache, wenn sie auch an Rache denkt. Sie fordert keine Wiedergutmachung oder späte Gerechtigkeit, wenn es auch das ist, was sie sich vielleicht wünschen würde. Doch eine Wiedergutmachung ist nicht wirklich möglich, die Geschehnisse während der Zwangsarbeit haben ihr Leben beeinflusst, die Gedanken daran sind immer irgendwie da. Das Ausgeliefertsein, die Ausweglosigkeit, die Schicksale, die in der Hand von Menschen lagen, die scheinbar selbst nicht wirklich wussten, was sie tun, die aus Gelegenheiten heraus handelten und durch ihre neu erworbene Macht über Menschenleben entscheiden konnten, das lässt sich nicht vergessen. Und so geht Nelka vorsichtig und bedacht vor, hört auf ihr Inneres tut das, was sie selbst braucht, beobachtet den Täter und lässt das Grauen, das in ihr schwelt, lediglich durch ihre Anwesenheit in sein Leben einsickern. So holt sie das Erinnern wieder ans Licht.
Mir hat der Roman wieder einmal gezeigt, dass es erst einmal nur dem Verursacher des Leids nutzt, wenn man die Sache ruhen lässt.
Nicole Duplois versucht, sich noch mehr Zeit fürs Lesen freizuhalten, und wirkt in der Herstellungsabteilung an verschiedenen Ecken und Enden mit.
Im Fokus von Son Lewandowskis Roman Die Routinen steht die fiktive Turnerin Amik und ihr Leben als Leistungsturnerin – die körperlichen Strapazen, die mentalen Hürden, die Freundinnen, die auch Konkurrentinnen sind, sowie die verbalen und körperlichen Misshandlungen durch die Trainer:innen: All die Dinge, die hinter dem Glitzer, dem Lächeln und der Musik verloren gehen.
Was dieses Debüt so eindringlich macht, ist dabei nicht nur die poetische Sprache, sondern auch die Tatsache, dass die Autorin auch immer wieder reale Beispiele einbringt und damit aufzeigt, wie tief der Missbrauch in der Sportwelt verwurzelt ist.
Beim Lesen gab es so viele Sätze, bei denen ich innehalten und sie erst einmal sacken lassen musste. Son Lewandowski hat ein außergewöhnliches Buch geschrieben, das mich wütend und traurig gemacht hat, das aber auch meinen Respekt für die Leistungen der Sportlerinnen noch einmal verstärkt hat.
Maria Voßhagen arbeitet im Digitalteam der Büchergilde, kann nur ein krummes Rad schlagen und bleibt auch in Zukunft lieber beim Handball.