Erst im Frieden zeigt sich, wie teuer der Krieg war
Nachdem die Journalistin Ulrike Herrmann in ihrem gefeierten Bestseller Das Ende des Kapitalismus das Verhältnis zwischen unserem Wirtschaftssystem und dem Klima untersucht hat, nimmt sie in ihrem augenöffnenden Buch Geld als Waffe einen anderen aktuellen Brennpunkt in den Blick: den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Krieg.

Ob man es nun wahrhaben will oder nicht, der Krieg ist zurück in Europa. Doch es könnte sogar noch viel schlimmer kommen. Was ist, wenn sich Russland nicht mit der Ukraine begnügt, sondern seine Aggressionen auf das Baltikum ausweitet, wie Putin immer wieder androht? Was würde geschehen, wenn China unter Staatspräsident Xi Jinping das eigene Machtstreben mit einem Angriff auf Taiwan eskalierte? Diese beiden Szenarien stehen zu Beginn von Ulrike Herrmanns Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet. Die Wirtschaftsjournalistin verdeutlicht in ihrem neuen Buch, dass man nicht davon ausgehen darf, die Eskalationsspirale habe ihren Höhepunkt erreicht. Der Angriff der USA auf Iran ist nur das jüngste Beispiel für diese Befürchtung.

In einer Kriegswirtschaft wird nur noch ein Produkt hergestellt, nämlich Krieg.
Das Buch verfolgt drei Ziele. Zum einen bietet es kurze historische Abrisse der Geschichte Russlands, Chinas und der Leben ihrer autokratischen Anführer Wladimir Putin und Xi Jinping. Daraus leitet Herrmann sowohl geopolitische als auch persönliche Gründe ab, die beide zu einer (weiteren) Zuspitzung der Gewalt bewegen könnten. Gleichzeitig ist Geld als Waffe eine Bestandsaufnahme der militärischen Wehrhaftigkeit des Westens. Und zu guter Letzt ist es eine Analyse, wie eng verwoben ökonomische Motive mit einer Entscheidung für oder gegen Krieg sind.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion konnte sich insbesondere Europa über eine „Friedensdividende“ freuen. In Abwesenheit akuter Bedrohung sanken die Summen, die in die Ausstattung der Armee investiert wurden. Die Zeiten, in denen sich die Demokratien des Westens dieses Verhalten leisten konnten, sind spätestens mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine vorbei. Ironischerweise, so Herrmann, muss der Westen massiv aufrüsten, um weitere Aggressionen zu verhindern. Nur wenn die eigene militärische Abschreckung glaubhaft ist, kann sie wirksam sein.
Herrmann skizziert demgegenüber zwei autoritäre Regime, die sich auch aus rein wirtschaftlichen Überlegungen gezwungen sehen, in ihren militärischen Ambitionen aggressiver zu werden. Xi, um sein eigenes Vermächtnis zu sichern und von enttäuschten Wachstumserwartungen abzulenken, Putin, um seine nationalistische Kriegswirtschaft am Laufen zu halten, ohne die die Millionen Soldaten an der Front arbeits- und perspektivlos in die Heimat zurückkehren würden.

Eindringlich schildert Hermann in Geld als Waffe, dass Krieg immer auch ein ökonomischer Akt ist. Was auf den ersten Blick zynisch erscheinen mag, bietet bei näherer Betrachtung einen Silberstreif am Horizont. Denn wenn Krieg durch wirtschaftliche Prozesse angetrieben und am Laufen gehalten wird, kann er durch wirtschaftliche Maßnahmen auch verhindert werden – ohne Waffengewalt und Blutvergießen. Diese Erkenntnis macht Geld als Waffe trotz aller Schwere und Drastik des Themas zu einem hoffnungsvollen Buch.
Daniel Stähr ist freier Autor und Ökonom. Er arbeitet an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Kultur. Zuletzt erschien sein Buch Die neuen Propheten. Wie Ökonomen unsere Zukunft verspielen bei S. Fischer.
Die Autorin
Ulrike Herrmann, geboren 1964 in Hamburg, ist ausgebildete Bankkauffrau, absolvierte die Henri-Nannen-Schule und studierte Philosophie und Geschichte. Seit 2000 arbeitet sie bei der taz und publiziert zu sozial- und wirtschaftspolitischen Themen. 2010 erschien ihr erstes Buch Hurra, wir dürfen zahlen. Es folgten Der Sieg des Kapitals, Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung, Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen und Das Ende des Kapitalismus, die sämtlich Bestseller geworden sind.