Wir sehen nur, was wir wissen

Cosima Schneider
Cosima Schneider

Die Zusammenarbeit von Herstellung und Kunst bei der Büchergilde ist immer etwas Besonderes – in manchen Fällen trägt sie aber ganz spezielle Früchte, so geschehen im Falle von Über Bord.

"Eine abenteuerliche Reise auf See durch unbekannte Gewässer ...  wäre da eine Seekarte hilfreich? ... An Bord werden doch Logbücher/ Bordbücher geführt... Könnte man nicht Karte und Buch verbinden? ...
Durch die Beschäftigung mit Rudyard Kiplings inspirierenden Text und den detailreichen Zeichnungen von Christian Schneider, kam mir die Idee einer Tasche auf dem vorderen Buchdeckel, in der sich eine gezeichnete Seekarte befindet.
Vieles fängt mit einer Idee an, die scheinbar nicht in die Tat umzusetzen ist. Aber das macht für mich den Reiz meiner Arbeit aus: die bestmögliche (und finanzierbare!) Buchform zu finden. Die Phantasie galoppiert davon ... doch dank unserem Partner Clausen & Bosse, der Innovationen fördert und unterstützt, konnten wir diese besondere  Ausstattung in die Tat umsetzen. Und das Ganze wurde auch noch an der See produziert." 

Cosima Schneider, Herstellungsleiterin der Büchergilde

Bis ins kleinste Detail

Christian Schneider - Illustrator
Christian Schneider

Mit Christian Schneider ist ein Illustrator zur Literaturgemeinschaft gestoßen, der nicht nur bis ins kleinste Detail recherchiert, sondern auch mit großer Leidenschaft darüber berichtet, im Zweifel via Email.

Cosima Schneider schrieb: 

Lieber Christian, der Korrekturleser merkt bei dem Walbild an, dass es sich bei den gezeichneten Walen um Bartenwale/Grönlandwale handelt und die ernähren sich nicht von Fisch, sondern von Krill und Plankton. Was meinst du? Fällt das unter künstlerische Freiheit?

Christian Schneider antwortete: 

"Eidesstattliche Walerklärung: Nach langer Rücksprache mit einem Wal möchte ich folgende Erklärung abgeben: Die Beobachtung, dass hier ein Bartenwal dargestellt ist, ist richtig. Allerdings ist Bartenwal (Mysticeti oder auch Mystacoceti) nur die Bezeichnung der Unterfamilie der Wale, die selber noch einmal in drei Familien aufgeteilt ist: Grauwale (Eschrichtiidae), Furchenwale (Balaenopteridae) und Glattwale (Balaenidae). Diese sind noch einmal in Gattungen und Arten unterteilt. Du siehst, es gibt also eine Menge unterschiedlicher Bartenwale. Eine davon ist der Grönlandwal. Eine andere, die ich darstelle, ist der Buckelwal. Der Grönlandwal lebt nördlich von unserer Bühne, den großen Bänken, und bewohnt ausschließlich die Kaltwassergebiete der nördlichen Halbkugel in Packeisnähe. Der Buckelwal lebt praktisch überall (Flüsse, Teiche, Packeisgrenze und das östliche Mittelmeer einmal ausgenommen). 
In der äußerlichen Erscheinung weist der Grönlandwal eine andere Form der Flipper (Seitenflossen) auf. Sie sind sehr viel kleiner im Vergleich zu denen vom Buckelwal. Ob dies damit zusammenhängt, dass er nicht so lange Wanderwege unternimmt und daher nicht auf so kraftvolle Extremitäten wie der Buckelwal angewiesen ist, wäre logisch, ist aber eine persönliche Spekulation. Wahrscheinlich ist es auch energietechnisch eher günstig, in dem eiskalten Wasser eine geringere Oberfläche zu besitzen. Stichwort Wärmeabgabe. Die südliche Population des Buckelwals ernährt sich tatsächlich überwiegend von Krill, die nördlichen Vertreter jagen zusätzlich Schwarmfische (Sardinen, Sardellen, Hering, Sandaal, Makrele und Lodde – uns auch bekannt als Kaplan). Da sie wie alle Furchenwale Schluckfiltrierer sind, können sie nur Beute ausnutzen die in Schwärmen auftritt. Dies wird ja von Kipling vortrefflich beschrieben."

Rudyard Kipling - Über Bord (Illustration: Christian Schneider)
Illustrationsausschnitt: Christian Schneider


Für die Angaben im Impressum ließ Christian Schneider unserer Herstellungsleiterin die Wahl zwischen einer minimalistischen und einer, sagen wir, unwesentlich ausführlicheren Variante: 

"Liebe Cosima,

bei meiner Zeichentechnik schwöre ich auf den Bleistift, denn seine Form ist ansprechend und mit seinen ca. 10 Zentimetern Länge liegt er bequem und ergonomisch korrekt in der Hand und nimmt durch seine zarte Gestalt nicht über Gebühr Platz in meiner beengten Behausung ein. Die von mir präferierten Bleistifte der Firma Faber Castell (bis zu einem Härtegrad von 2B benutze ich die Druckbleistifte Castell TK9400, weichere Striche werden mit dem Klassiker Castell 9000 bewältigt) gewährleisten mit ihrem hexagonalen Querschnitt eine gute Griffigkeit bei der Optimierung der Bleistiftspitze. Diese erfolgt entweder über einen handelsüblichen Spitzer oder erlebt über eine feine Metallfeile ihren Feinschliff. Die tiefgrüne, satte Farbe der Bleistiftschutzlackierung gibt mir die Ruhe eines Fichtenwaldes, die ich bei meiner aufwändigen Zeichentechnik benötige. Von unüberschätzbarem Vorteil ist zudem die  Möglichkeit, die per Bleistift aufgetragene Graphitspuren mit einem Radiergummi wieder zu entfernen. 

Nach jahrelangen Experimenten, habe ich mich für den Aquarellbogen Arches grain satiné 4001212 entschieden, ein naturweißes Papier, das aus 100% Baumwolle besteht. Seine Stärke von 300 Gramm pro Quadratmeter ist vielleicht etwas überdimensioniert, gibt mir aber ein sicheres Gefühl und in Kombination mit seiner seidenweichen Oberfläche erwächst in diesem Papierbogen eine Körperlichkeit, auf die man sich als Zeichner jeden Tag freut. Genau diese Körperlichkeit verzeiht auch eine etwas zu enthusiastische, ja, eine gar stürmische Interaktion zwischen Bleistiftspitze und Papier, sodass in der Dreifaltigkeit Bleistift-Papier-Radiergummi jedes imaginäre Bild seine Verwirklichung finden kann. Seine handelsübliche Größe, 56 x 76 cm, auch Grand Jésus-Format genannt, lässt sich problemlos mittels Schneidewerkzeugen nach eigenen Wünschen formen. Ich habe für dieses Projekt ausnahmslos rechteckige Formen in den Größe 13,5 x 21,5 cm bis 76 x 21,5 cm gewählt. Seine ganzen Stärken konnte dieses Papier auf einer planen Unterlage an einem trockenen, hell erleuchteten Platz ausspielen und hat mir dadurch die Arbeit stark vereinfacht.  

Variante2: 
Bleistift (Faber Castell TK9400/9000) auf Papier (Arches grain satiné), 13,5 x 21,5 cm bis 76 x 21,5 cm" 


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Weitere Geschichten aus den Ozeanen der Welt: www.schneider-illustration.de

Einige der Zeichnungen von Christian Schneider können käuflich erworben werden.
Eine Übersicht finden Sie » hier. Bitte wenden Sie sich direkt an Christian Schneider.