UNSERE LIEBLINGSBÜCHER

 

Was wir lesen!

 

Vier KollegInnen aus dem Frankfurter Verlagshaus der Büchergilde haben für Sie ihre persönlichen Lieblingsbücher aus dem aktuellen Quartalsprogramm zusammengestellt.

 

Lassen Sie sich begeistern und inspirieren wir wünschen eine schöne Lektüre!

 

Michael Lübbecke: Ulrike Hermann - Das Ende des Kapitalismus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Michael Lübbeckes
Profession ist das betriebliche Finanzwesen, aber sein Interesse endet nicht bei Buchhaltung und Zahlen, sondern schließt kluge Bücher und anspruchsvolle Literatur mit ein.

 

 


 

Über die Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie:

Das Ende des Kapitalismus von Ulrike Herrmann

 

Die Kernaussage dieses Sachbuchs von Ulrike Herrmann spiegelt sich bereits im Titel wider: Klimaschutz und Kapitalismus können nicht so richtig miteinander. Diese These begründet sie in ihren Ausführungen fundiert und faktenreich und hat damit ein Werk vorgelegt, das für alle, die das Thema Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie umtreibt, sehr lesenswert ist. Aus ihren Schilderungen zur Wirtschaftsgeschichte leitet Herrmann das Wesen des kapitalistischen Wirtschaftsmodells ab, das auf einem permanenten Wachstumsversprechen und dem damit verbundenen Verbrauch natürlicher Ressourcen fußt. Hier liegen für sie neben spürbaren Wohlstandsgewinnen in der Vergangenheit auch die Ursachen der aktuell wahrnehmbaren Klimaveränderungen begründet.

  

Im 2. Teil des Bandes betrachtet Herrmann die ergriffenen technologischen und organisatorischen Initiativen zum Klimaschutz und hält deren Umsetzung für unbedingt erforderlich, jedoch keineswegs für hinreichend, um das Weltklima langfristig zu schützen. Um in dieser Hinsicht nachhaltig erfolgreich zu sein, fordert sie ein vom Staat gelenktes Schrumpfen der Wirtschaft, hin zu einer „Überlebenswirtschaft“ für Klimaschutz und Wohlstand ohne Wachstum. Als erfolgreiches Beispiel aus der Geschichte führt sie dafür die britische Kriegswirtschaft während des 2. Weltkrieges an. Ob man dieses für geeignet hält, mögen die Lesenden selbst kritisch für sich prüfen. Eine gewissenhafte Auseinandersetzung mit den Argumenten der Autorin lohnt die Lektüre aufgrund der Gewichtigkeit des Themas allemal.

 

Nicole Duplois: Martin Kordić - Jahre mit Martha

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicole Duplois,

versucht, sich noch mehr Zeit fürs Lesen freizuhalten und wirkt in der Herstellungsabteilung an verschiedenen Ecken und Enden mit.


 

Zwischen Hoffnung und Wut:
Martin Kordić – Jahre mit Martha
 

Jahre mit Martha erzählt die Geschichte eines jungen Mannes mit Migrationshintergrund, der nicht in einem prekären, aber auch nicht gerade in einem optimalen Umfeld aufwächst. Die Eltern arbeiten hart und viel zu viel, aber trotzdem reicht das Geld gerade für das Nötigste. Es scheint Gesetz zu sein, dass Željko/Jimmy einen ähnlichen Weg einschlagen wird. Aber er interessiert sich fürs Lesen und das eröffnet ihm ganz andere, neue Möglichkeiten. Er schaut anders auf die Welt als sein Umfeld das tut, lässt sich nicht beeinflussen von den scheinbar vorgeschriebenen Zielen. Dank seines beständigen, trotzigen Willens und der nötigen Intelligenz geht er seinen eigenen Weg. Durch die Professorin Martha, in die Željko sich verliebt, eröffnet sich ihm die Chance, noch tiefer in die Welt der Kultur und Bildung einzutauchen, und er ergreift diese Chance, weil es seine einzige ist.

  

Jahre mit Martha ist ein hoffnungsvoller, einfühlsamer und zunächst mutmachender Roman, aber er hat mich auch aufgebracht. Aufgebracht, weil ich nicht akzeptieren kann, dass immer noch die Herkunft, die fehlenden finanziellen Möglichkeiten und gesellschaftlichen Beziehungen einen jungen Menschen einschränken, ihn in seiner Entfaltung behindern. Martin Kordić zeigt auf, wie dies von der Gesellschaft nicht gesehen und nicht aufgefangen wird. Nur der Wille und viel Fleiß und Arbeit reichen meist nicht aus, es gehört eine Menge Glück dazu, aus seinem Milieu ausbrechen zu können. Dieser sehr lesenswerte Roman muss deshalb auch als Kommentar zur aktuellen Diskussion über Chancengleichheit verstanden werden.

 

 

Maria Voßhagen: Margaret Laurence - Eine Laune Gottes

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Maria Voßhagen,

arbeitet als Praktikantin im Digital-Marketing und liest aktuell alles, außer die notwendige Sekundärliteratur für ihre Bachelorarbeit.

 

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Selbstfindung mit Umwegen:
Eine Laune Gottes von Margaret Laurence

 

Nach den ersten Seiten war ich zunächst noch sehr kritisch: Ist dieses Buch wirklich etwas für mich oder doch einfach veraltet oder gar klischeehaft? Diese Geschichte um die schüchterne junge Frau Rachel, die sich nach dem Tod des Vaters um ihre kranke Mutter kümmert, die vom Mann aus der Großstadt aus der Kleinstadt-Öde gerettet wird – und die, statt sich selbst zu finden, sich im Mann verliert?

  

Am Ende war Eine Laune Gottes aber doch eine großartige Lektüre für mich. Rachel, die über jede Tat, jeden Satz, vielleicht sogar jedes Wort zweimal nachdenkt und sich konstant infrage stellt, ist auch heute noch eine Figur, mit der man sich identifizieren kann. Thematisch hat der Roman außerdem nichts an Aktualität verloren: die Tochter, die gezwungen wird zwischen Selbsterfüllung und Familie zu wählen, der Umgang mit sexueller Freiheit und Abtreibung, die Auseinandersetzung mit Vorurteilen.

 

Margaret Laurence schreibt natürlich aus ihrer Zeit heraus und so manch ein Satz klingt dann doch nach den 1960er-Jahren – an vielen Stellen fragt man sich dann aber eher, wie die Umstände von Frauen auch fast 60 Jahre später noch genauso sein können.

 

Nicht nur für die Beantwortung der Frage, ob Rachel am Ende den Weg zur Selbstbestimmung findet, ist eine Lektüre dieses toll erzählten Romans auf jeden Fall sehr lohnenswert!

 

 

 

Svenja Schaller: Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Svenja Schaller,

arbeitet meistens mit Musik auf den Ohren

im Vertrieb und kümmert sich dort vor allem

um alle Belange rund um den Buchhandel.

 

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Ein Buch, das jede und jeder gelesen haben sollte:
Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque

 

Im dritten Quartal 2022 habe ich bereits Die Nacht von Lissabon von Erich Maria Remarque begeistert gelesen und hier besprochen und nun möchte ich Remarques bekanntesten Roman Im Westen nichts Neues ebenso bedingungslos empfehlen.

 

Mittlerweile wurde Im Westen nichts Neues vermutlich fast häufiger rezensiert als gelesen und seit Jahrzehnten wird das Buch als einer der größten Antikriegsromane gehandelt (völlig zu Recht), also was kann man noch schreiben, was nicht an anderer Stelle schon gesagt wurde? Ich versuche es trotzdem:

 Paul ist 19 Jahre alt als er sich als Soldat für den ersten Weltkrieg meldet. Zusammen mit seinen Mitschülern wird er „ausgebildet“ und an die Front geschickt. Schnell werden die jungen Männer von der Realität des Kriegsgeschehens eingeholt und ihre Begeisterung weicht Ernüchterung, ihr Patriotismus stirbt mit ihren Kameraden. Sie sind Teil der verlorenen Generation, der Krieg hat „uns unsere Jugend geraubt“, sie glauben nicht mehr an die Zukunft oder an ihren Platz in der Welt.

 

Remarque schafft es, mit wenigen Worten die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der Soldaten, die unfassbare Sinnlosigkeit des Krieges und die stille Mutlosigkeit ebenso wie die lähmende Langeweile des Wartens auf den nächsten Angriff zu vermitteln. Es ist teilweise eine schwer zu ertragende Lektüre, aber gerade das ist es auch, was das Lesen des Romans so wichtig, das Buch so bedeutsam macht – und es ist meiner Meinung nach ein Buch, das jede und jeder gelesen haben sollte.

 

 

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