UNSERE LIEBLINGSBÜCHER

 

Was wir lesen!

 

Vier KollegInnen aus dem Frankfurter Verlagshaus der Büchergilde haben für Sie ihre persönlichen Lieblingsbücher aus dem aktuellen Quartalsprogramm zusammengestellt.

 

Lassen Sie sich begeistern und inspirieren wir wünschen eine schöne Lektüre!

 

Ingmar Weber: Damon Galgut - Das Versprechen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Ingmar Weber,

verantwortet das Direkt- und Digitalgeschäft

der Büchergilde und nimmt sich seit Jahren vor,

'Unendlicher Spaß' zu lesen.

 

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Damon Galgut Das Versprechen:

Ein sprachlich herausragender, brillanter Roman

 

In Hervé le Telliers Roman Die Anomalie, den ich an dieser Stelle empfohlen hatte, unterhalten sich zwei Personen über den Roman Schande des südafrikanischen Autors J.M. Coetzee und sind sich einig: Ein Meisterwerk. Was stimmt. Nun lese ich zum zweiten Mal einen Südafrikaner, Damon Galgut, und bin erneut hellauf begeistert: Das Versprechen ist das beste Buch seit langem.

 

Ein Familienroman, der das Schicksal und den Zerfall der weißen Farmersfamilie Swart über Jahrzehnte verfolgt, beginnend 1986, als die Apartheid das Land prägt und die Mutter dem Vater das titelgebende Versprechen abnimmt, der schwarzen Hausangestellten ein kleines Haus zu vermachen, über die hoffnungsvolle Zeit unter Mandela und den stetigen Niedergang der Folgejahre bis ins Chaos der Gegenwart.

 

Galgut wechselt ständig die Perspektiven und verändert seinen Tonfall von elaboriert zu schnoddrig. Mal folgt man den Gedankengängen einer Figur in einem Stream of Consiousness, um übergangslos von einem auktorialen Erzähler angesprochen zu werden. Und manchmal schweift der Autor ab und verfolgt über mehrere Seiten das Schicksal eines Obdachlosen, der am Wegesrand sitzt. Galgut gelingt es dadurch, uns nicht nur das Schicksal einer Familie, sondern eines ganzen Landes aufzuzeigen. Dass die Apartheid nicht nur die Schwarzen entrechtete und unterdrückte, sondern auch die Weißen deformierte. Dass es Jahre und Jahrzehnte dauert, bis die Wunden des Unrechts heilen. Bzw. dass sie erst heilen können, wenn das Versprechen der Gerechtigkeit eingelöst wird. Ein brillanter Roman, sprachlich herausragend und großartig übersetzt noch dazu. In einem Wort: Ein Meisterwerk!

 

Svenja Schaller: Erich Maria Remarque - Die Nacht von Lissabon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Svenja Schaller,

arbeitet meistens mit Musik auf den Ohren

im Vertrieb und kümmert sich dort vor allem

um alle Belange rund um den Buchhandel.

 

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Vom Erinnern und Vergessen:

Erich Maria Remarques Die Nacht von Lissabon

 

Kennen Sie diese Bücher, die Sie so nachhaltig beeindrucken, dass Sie auch Wochen später noch an sie denken müssen? Die Nacht von Lissabon ist ein solches für mich:

 

Zwei Emigranten begegnen sich abends in Lissabon, der eine hat zwei Karten für die Fahrt nach Amerika, der andere die Hoffnung auf ebendiese aufgegeben. Da verspricht der eine dem anderen die Fahrkarten wenn er ihm diese Nacht Gesellschaft leistet und seiner Geschichte zuhört. So „hören“ auch wir Lesenden die Geschichte eines Emigranten, der aus Deutschland fliehen musste als Hitler an die Macht kam und lernen damit gleichzeitig die Geschichte von tausenden anderen Emigranten kennen, die ein ähnliches Schicksal erleiden mussten. Durch die Unterbrechungen im Gespräch ab und zu müssen die beiden das Lokal wechseln oder sie tauschen sich über gemeinsame Erfahrungen aus – kommt eine Ebene der Reflexion dazu, die die Verarbeitung des eben gelesenen einfacher macht.

 

Es ist eine tragische Geschichte, aber auch eine Geschichte über Freundschaft, Liebe, Zufälle, Wunder und vor allem über Hoffnung, über das Erinnerung und das Vergessen. Es ist eine Geschichte wie tausend andere und doch einzigartig. Und es ist eine Geschichte, die meiner Meinung nach jeder kennen sollte.

 

 

Julia Heller: Joachim B. Schmidt - Tell

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Julia Heller,

arbeitet neben einer schönen Mooswand

sitzend im Lektorat und kümmert sich um

Rechte, Lizenzen und das Kinderbuch-Programm.

 

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Eine Saga wird zum rasanten, modernen Pageturner:  

Tell von Joachim B. Schmidt  

 

Wilhelm Tell … Wer war das noch gleich? Schweiz? Alpen? Ein Apfel? Joachim B. Schmidt hilft uns mit seinem neuen Roman Tell auf die Sprünge. Mehr noch: Er schreibt Geschichte neu und macht aus der historischen Tell-Saga einen Thriller mit einem fulminaten Showdown, in dem aus Wilhelm Tell ein richtiger Charakter wird.

 

Tell, der wortkarge Eigenbrötler, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den verschwundenen Bruder im Gebirge zu finden. Immer an seiner Seite: sein ältester Sohn, der eigentlich der Sohn des vermissten Bruders ist denn Tell heiratet nach dessen Verschwinden die schwangere Schwägerin. Verwirrend? Etwas. Und um den teilweise düsteren, teilweise kuriosen Spaß zu komplettieren, stellt Joachim B. Schmidt unserem Tell über 20 Protagonisten an die Seite, aus deren Sichtweise die Geschichte in kurzen, knappen Sequenzen erzählt wird. Der Hauptdarsteller selbst kommt nur wenig zu Wort und so bleibt bis zum Schluss unklar, wer oder was Tell wirklich war, was er dachte und fühlte, wie er liebte.

 

Klar ist nur: Tell ist ein Antiheld, einer, der gar keiner sein will. Der eigentlich nur seine Ruhe haben möchte. Und klar ist auch, dass dieses Buch eine absolute Leseempfehlung ist, auch für Leute, die vom historischen Vorlagestoff noch nie etwas gehört haben. Der Autor nimmt uns mit auf einen rasanten Ritt, der auf einen Showdown zurast, den man nicht hätte besser verfilmen können. Joachim B. Schmidt hat mit Tell einen spannenden, modernen Mix aus verschiedenen Genres geschrieben, der dieses Buch zu einer mehr als gelungen Sommerlektüre macht.

 

 

Claudia Philipps: Laetitia Colombani - Das Mädchen mit dem Drachen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Claudia Philipps,

ist Teil des Mitgliederservice-Teams bei der Büchergilde und hat per Telefon oder E-Mail stets eine gute Lektüreempfehlung für Sie parat.

 

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Das Mädchen mit dem Drachen von Laetitia Colombani:

Eine sehr bewegende Lektüre

 

Das Mädchen mit dem Drachen ist ein eindrucksvoller, aufwühlender Roman über couragierte Frauen, die den Mut haben, aktiv gegen Missstände zu kämpfen.

 

In Indien, dem Schauplatz der Handlung, ist die Gesellschaft tief gespalten. Viele Menschen sind dort bitterarm, Frauen und Kinder besitzen kein Recht auf ein eigenständiges Leben. Vor allem die sogenannten „Unberührbaren“, wie Lalita, haben keine Chance auf Bildung. Dort, am Golf von Bengalen, will Léna ihr Leben in Frankreich und ihr traumatisches Erlebnis vergessen. Als Léna von einer Ozeanwelle fortgerissen wird, holt Lalita das indische Mädchen, das seinen Drachen fliegen lässt Hilfe. Léna überlebt und zusammen mit Preeti, der furchtlosen Anführerin einer Selbstverteidigungsgruppe für junge Frauen, schmiedet sie den Plan, eine Schule für alle, die lesen und schreiben lernen möchten, zu gründen.

 

Nach Der Zopf ist dies das zweite Buch, dass ich von Laetitia Colombani mit Begeisterung gelesen habe. Das Mädchen Lalita ist die Tochter von Smita, einer der Hauptfiguren aus dem Bestseller Der Zopf. Die Geschichte dieses indischen Mädchens, das weder lesen noch schreiben kann, wird in diesem Buch sehr bewegend fortgeführt. Das Mädchen mit dem Drachen lässt sich jedoch als völlig eigenständige Geschichte lesen und verstehen.

 

 

 

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