„Väter und Söhne“ illustriert von Matthias Beckmann

Turgenjews berühmtester Roman über den „Nihilisten“ Jewgeni Basarow, seinen Freund Arkadi Kirsanow, über deren Väter und die beiden Frauen, die von ihnen geliebt werden, ist ein Meisterwerk der Weltliteratur. Matthias Beckmann hat es stimmungsvoll und unter außergewöhnlichem Einsatz illustriert.

„Die vermeintlich einfache Zeichnung ist eine hohe Kunst“

Cosima Schneider, seit Dezember 2012 Herstellungsleiterin der Büchergilde Gutenberg, im Interview über die Gestaltung von Iwan S. Turgenjews Väter und Söhne

 

Matthias Beckmann hat ja sehr viele Zeichnungen für dieses Buch geschickt – sehr viele mehr, als im Buch Platz finden werden. Wieviele werden jetzt im Buch zu sehen sein?
Kaum hatte Herr Beckmann den Text gelesen, hat er sich auch schon auf den Weg gemacht. In  Berlin und in Potsdam – und nach kaum zwei Wochen hatte ich die ersten Zeichnungen – 50 waren es! Ich war begeistert! Insgesamt hat er uns 172 Zeichnungen übergegeben. Das ist wirklich sensationell. Da ich seine Zeichnungen so wahnsinnig gut finde, wollte ich anfangs unbedingt alle auch im Buch zeigen. Schweren Herzens hat mich die Kalkulation dazu gezwungen, es auf 80 Illustrationen zu reduzieren.

 

Wie werden die Zeichnungen im Text platziert? Gibt es eine inhaltliche Zuordnung zu Textstellen?
Ja. Herr Beckmann hat den Text gelesen, Stellen, die ihn inspirierten hat er gekennzeichnet und ist diesen Textspuren dann in die Museen gefolgt.

 

Die Zeichnungen sind ja Konturzeichnungen in Schwarz. In welcher Farbe werden sie gedruckt?
Die vermeintlich einfache Zeichnung, schlicht wie sie daherkommt, ist in Wirklichkeit eine hohe Kunst. Die Linie verzeiht keine Fehler. Sie ist direkt. Um eben diese Feinheit zu unterstützen, haben wir uns für eine Sonderfarbe, die dem Graphitstift nahekommt, entschieden.

Der Text ist schlicht schwarz, und als Schmuckfarbe haben wir ein Blau gewählt, das unaufdringlich und keine Konkurrenz zur Zeichnung ist. Das illustrierte Buch muss nicht immer auch ein buntes sein.

 

Gibt es weitere Besonderheiten bei der Ausstattung des Buches?
Eine besondere Herausforderung hier war, dass man die Zeichnungen nicht einfach vergrößern oder verkleinern konnte. Jede Veränderung hat Auswirkungen auf die Strichstärke. Und da Matthias Beckmann immer mit dem selben Stift gezeichnet hat, kann die Linie also nicht zu dick oder zu dünn werden. Deshalb entsprechen hier fast alle Zeichnungen den Originalgrößen.

Motive aus Berlin, Potsdam und Paris

Foto: Klaus Mellenthin

Zu Matthias Beckmanns Arbeitsweise


Die meisten Zeichnungen dieses Buches, die Orte oder Gegenstände zeigen, entstanden vor dem Motiv in Berlin, Potsdam und Paris. Die Personendarstellungen entstammen zumeist Gemälden des 19. Jahrhunderts oder historischen Fotografien. Da die Entfernungen es dem Künstler nicht erlaubten, alles vor Ort zu zeichnen, wurden auch Bilder aus Büchern und dem Internet verwendet. In der Russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam war es so bitter kalt, dass Matthias Beckmann ausnahmsweise fotografiert hat.

 


Matthias Beckmann, 1965 in Arnsberg geboren, hat an den Kunstakademien in Düsseldorf und Stuttgart studiert und lebt als freier Künstler in Berlin. Bekannt wurde er durch seine Zeichenprojekte, die er in öffentlichen Institutionen und Museen durchführt. Seit einigen Jahren arbeitet er auch an Zeichentrickfilmen. Beckmann ist mit Jörg  Mandernach und Uwe Schäfer Teil der Künstlergruppe Die Weissenhofer. Seine künstlerische Arbeit wurde durch zahlreiche Preise (u.a. Joseph-Fassbender-Preis für Zeichnung) und Stipendien gewürdigt und wurde in Museen sowie Galerien in Deutschland, Belgien, Österreich und F rankreich gezeigt.