Unser Veranstaltungsrückblick

 

Leinen los, und volle Fahrt voraus! ...

Der Yachtklub nahe des Eisernen Stegs, Frankfurt am Main
Der Yachtklub nahe des Eisernen Stegs in Frankfurt am Main

… hieß es im maritimen Büchergilde Salon, der am Donnerstag, den 5. Mai, zum ersten Mal an Deck des Yachtklubs auf dem Main stattfand. Das eifrige Geschnatter der Nilgänse, sportliche Ruder- und Ufergymnastik-Runden und das allabendliche bunte Treiben am Main begrüßten alte und neue Bekannte und Literaturinteressierte an Bord.

 

Die Wahl des Veranstaltungsortes war dabei kein Zufall. Das sanft schaukelnde Boot des Yachtklubs  – fest vertäut nahe des Eisernen Stegs in Frankfurt –  und der sommerverheißende Pollenschnee „lispelnder Espen“ führten unmittelbar in das Thema des Abends ein: Volter Kilpis beeindruckendes Prosa-Epos Im Saal von Alastalo, das vielleicht schönste Buch der finnischen Literaturgeschichte, gar der europäischen Moderne.

 

Für das Gespräch mit Büchergilde-Programmleiterin Corinna Huffman und Lektorin Marie-Theres Stickel war Übersetzer Stefan Moster aus Berlin angereist – der Übersetzer, der Volter Kilpis meisterhaftes Opus magnum ins Deutsche übertragen hat. Eindrücklich berichtete er von seiner mehr als zwei Jahre andauernden Arbeit an und mit Kilpis 1000-seitigem Werk, von der Verrücktheit der Idee, sich diesem einzigartigen Projekt zu widmen.

 

Dass vor allem der Klang und der Rhythmus der wohlgesetzten Worte Im Saal von Alastalo die besondere Kraft von Kilpis Sprache ausmachen, konnten die Besucherinnen und Besucher in den von Helge Heynold gelesenen Passagen erfahren. In drei Lesungsteilen entzündete Heynold so ein kleines, stimmungsvolles Feuerwerk der Sprachkunst auf dem Main.

Corinna Huffmann, Marie-Theres Stickel und Stefan Moster im Gespräch
Corinna Huffmann, Marie-Theres Stickel und Stefan Moster im Gespräch

Denn Volter Kilpi betrat seinerzeit immer wieder sprachliches Neuland und forderte so auch den Übersetzer Stefan Moster immens. Auf die Frage, was an der Übersetzungsarbeit mit diesem Text so speziell war, antwortete er: »Normalerweise, wenn ein Text erst einmal grob übersetzt ist, habe ich anschließend vielleicht noch ein Dutzend Fragen, die ich dann dem Autor oder der Autorin stelle. In diesem Fall hatte ich anschließend 1.500 offene Fragen.« Sie bezogen sich nicht zuletzt auch auf Ausdrücke und Wortkonstruktionen, die in keinem finnischen Wörterbuch zu finden sind.

 

Diese Wortneuschöpfungen von Kilpi, die sogenannten »Kilpismen«, sind ganz besonders und sprachlich brillant, weil sie so natürlich daherkommen und Dinge ungemein treffsicher beschreiben. So treffsicher, dass auch die Leserinnen und Leser sie intuitiv verstehen. Einige Lieblingsbegriffe dieser Kilpismen, wie „Gedankenkikeriki“ (aufgeregtes Getue) oder „ein Vernunftschloss an der Lippenfasson tragen“, führte Lektorin Marie Stickel augenzwinkernd an – Ausdrücke, „auf die wir eigentlich alle schon lange gewartet haben und die wir nun endlich in unseren alltäglichen Sprachgebrauch aufnehmen können“.

 

Stefan Moster betonte, dass – obgleich Volter Kilpis Werk mit seinem Umfang und dem kunstvollen Sprachgebrauch auf manch einen Leser oder Leserin einschüchternd wirken könnte – Im Saal von Alastalo ein zugängliches, zum Teil auch humorvolles Buch ist, das im Kern eine sehr positive, lebensbejahende Botschaft transportiert: das Gelingen eines komplexen Gemeinschafts-Projektes, den Bau einer Bark. Corinna Huffmann beschrieb an dieser Stelle eine schöne Analogie zur Büchergilde, die als Buchgemeinschaft und Genossenschaft einen ähnlichen Gemeinschaftsgedanken in sich trägt

»Normalerweise, wenn ein Text erst einmal grob übersetzt ist, habe ich anschließend vielleicht noch ein Dutzend Fragen, die ich dann dem Autor oder der Autorin stelle. In diesem Fall hatte ich anschließend 1.500 offene Fragen.«

Stefan Moster, Übersetzer von Im Saal von Alastalo

 

Ein gelungener Abend mit Volter Kilpi
Ein gelungener Abend mit Volter Kilpi auf dem Main

 

 

 

Zum Abschluss des Abends wurde dann deutlich, dass Im Saal von Alastalo wirklich der maritime Klassiker in Finnland ist: Stefan Moster erzählte von seinen Besuchen der alljährlich stattfindenden Volter-Kilpi-Literaturtage im finnischen Kustavi, Kilpis Heimatort, einem kultigen Lese- und Literaturfestival, dass den Autor und sein Werk jedes Jahr feiert – und das ganz zurecht, wie das Podium abschließend zustimmte. Corinna Huffman dankte Stefan Moster für seine Übersetzungsgroßtat, durch die nun auch dem deutschsprachigen Lesepublikum endlich dieses großartige literarische Werk zugänglich geworden ist.

 

Am Büchertisch unserer Frankfurter Partnerbuchhändlerin Lisa Stöhr ließ sich im Anschluss an die Lesung und das Gespräch Volter Kilpis Werk Im Saal von Alastalo erwerben, Stefan Moster signierte. Bei einem Glas Wein, angeregten Gesprächen und dem stimmungsvollen Hereinbrechen der Nacht klang dieser schöne Büchergilde-Salon aus.

Stöbern Sie hier gerne noch weiter in unserem Büchermeer der nautischen Werke und begeben Sie sich auf literarische Entdeckungsreisen.

 » Mehr erfahren