Von vertikalen Doppelbären

Aphorismen, Sentenzen, Gedankenblitze − die langjährige Original-Reihe der Büchergilde steckt seit Heinz Erhardts Es ist schlimm! in neuem künstlerischen Gewand!

Ach … Robert Gernhardt …! Man kann nicht genug von ihm bekommen, entdeckt immer wieder neue Seiten, Verse und Gedanken. Mit Witz nahm der Meister des Komischen die gesellschaftlichen Verhältnisse aufs Korn, mit bissigem wie liebevollem Hintersinn seine Zeitgenossen – und sich selbst. An der Diskussion um das Denkmal, das ihm in Göttingen nach seinem Tod gesetzt werden sollte, hätte er seine Freude gehabt: der onanierende Kragenbär, witzig, provozierend, originell, eine Figur aus einem von Gernhardts bekanntesten Gedichten, mitten in der Stadt.

Inspiration war dieser Bär auch für den Einband der Büchergilde-Ausgabe, gestaltet von Klaus Schneider. Der Künstler hat nach einem für Gernhardt symbolhaften Element gesucht. Frech sollte es sein, leicht erotisch, liebevoll, und es sollte einen klaren Wiedererkennungswert haben. Der Kragenbär war genau ein solches Element! Aus dem Gernhardt’schen Cartoon zeichnete Schneider eine Sequenz nach, spiegelte sie vertikal und schnitt daraus eine Schablone. Diese „vertikalen Doppelbären“ wurden nun zeichnerisch aneinandergereiht – alles kleine Unikate nach dem schablonierten Grundmodell. Ein Muster entstand, das man auch auf den Kopf stellen kann. Diese Grundzeichnungen hat der Künstler anschließend aquarelliert, jeder Bär wurde einzeln und individuell ausgefüllt und sieht darum in Nuancen etwas anders aus. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat und aus dem kleinen Bändchen ein wahres Künstlerbuch macht.

Corinna Huffman, Programmleiterin der Büchergilde Gutenberg