Septime: Der Verlag aus dem Kaffeehaus

In der deutschsprachigen Verlagslandschaft gibt es viel zu entdecken. Daher stellen wir Ihnen gerne unabhängige Verlage und ihre Programme vor: Der in Wien ansässige Septime Verlag ist einer der jungen und ehrgeizigen Kleinverlage, die sich zum Ziel gesetzt haben, mit einem hohen Anspruch an Qualität und Realität kompromisslose Literatur zu vertreten.

Jürgen Schütz gründete 2009 den Septime Verlag in Wien © Ulrike Rauch

 

Als Jürgen Schütz 2009 den Septime Verlag in Wien gründete, hatte er nicht mehr als einen Laptop, einen Steuerberater und ein paar gute Ideen, wie er selbst behauptet. Mangels eines eigenen Büros wurden Verlagssitzungen mit Übersetzerinnen und Lektoren oder dem Vertreter der Druckerei traditionell, wie es sich in Wien vermuten lässt, im Kaffeehaus abgehalten. Er veröffentlichte Bücher aus dem lateinamerikanischen Raum von auch in unseren Breiten schon etablierten Autoren, erstmals in deutscher Übersetzung aus seiner eigenen Wohnung. Schon zwei Jahre nach der Gründung wurde kein Geringerer als Denis Scheck auf den kleinen Wiener Verlag aufmerksam und brachte ihn in seine Sendung Druckfrisch.


»Manchmal sind es kleine Verlage, denen wir große Entdeckungen verdanken. Der Septime Verlag ist es kühn angegangen, Bücher zu veröffentlichen, von denen wir vorher nicht wussten, dass sie uns fehlten.«
Karl-Markus Gauß (Falter)

 

Mit Nona Fernández, zweifacher Trägerin des chilenischen Staatspreises für Literatur, brachte man die erste „eigene“ internationale Entdeckung nach Deutschland. Die Toten im trüben Wasser des Mapocho begeisterte auch den großen Schriftsteller Roberto Bolaño. „Diese schnörkellose Maßlosigkeit, dieser Mut! Jede einzelne Zeile ist entweder lebensnotwendig oder tödlich, immer gespannt bis zum Äußersten“, schwärmte der große Chilene von der jungen Nona Fernández, die mit ihrem Roman in die Fußstapfen ihrer großen südamerikanischen Vorgänger tritt und die brutale politische Vergangenheit ihres Heimatlandes Chile gekonnt in eine ausgeklügelte spannende Geschichte webt.

 

Als Jürgen Schütz von einem dünnen Gerücht Wind bekam, Martin Scorsese arbeite daran, den japanischen Klassiker Schweigen von Shusaku Endo zu verfilmen, wurde nicht lange gefackelt. Septime sicherte
sich die Rechte an dem Werk und veröffentlichte den Roman im Jahr 2015. Der Mut zum Risiko wurde belohnt: Mit Andrew Garfield und Liam Neeson in den Hauptrollen kam das Meisterwerk 2017 tatsächlich auf die Kinoleinwand. Der Roman, der im 17. Jahrhundert spielt und die Christenverfolgung in Japan schildert, wird zum ersten großen Erfolg des aufstrebenden Verlages aus dem Kaffeehaus. 


Neben zahlreichen Autorinnen und Autoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich blieb Septime stets dem breiten internationalen Programm treu und Jürgen Schütz begann sich nun auch in Europa nach namhaften Größen umzusehen. In Portugal wurde man fündig: José Luís Peixoto zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der Gegenwart in seiner Heimat und legte mit Friedhof der Klaviere eine Familiensaga vor, die ihresgleichen sucht, sowohl inhaltlich als auch sprachlich.

 

Bei all diesen Publikationen wurde immer Wert auf Übersetzungen auf höchstem Niveau gelegt. Schütz erklärt: „Die Schwierigkeit für eine gute Übersetzung ist die Gratwanderung, so nah wie möglich am Text des Originals zu bleiben, den Sprachrhythmus dieser internationalen Größen zu erhalten und dabei einen perfekten deutschen Text zu erhalten – unsere Übersetzerinnen und Übersetzer waren und sind sich dieser Anforderung bewusst und haben sie stets gekonnt erfüllt.

 

Das Kaffeehaus gibt es nach zehn Verlagsjahren immer noch. Dort wird einmal im Jahr die Weihnachtsfeier abgehalten, bei der sich das Team gern an die Erfolge des ersten Jahrzehnts zurückerinnert.