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kookbooks – Raum für ein anderes, poetisches Sprechen

 

18 Jahre nach seiner Gründung gilt kookbooks als einflussreichster Lyrik-Verlag im deutschsprachigen Raum – doch das Programm bietet weit mehr. Die GründerInnen Daniela Seel und Andreas Töpfer wurden für ihr verlegerisches und gestalterisches Schaffen vielfach ausgezeichnet.

Daniela Seel © Gordon Welters
Daniela Seel © Gordon Welters

 

Wer seinen Verlag „kookbooks“ tauft, stellt ziemlich unmissverständlich klar, dass es viel Raum gibt für Experimentierfreude, für Ungewöhnliches und auf den ersten Blick scheinbar Unzugängliches: „Kook“ kommt aus dem Englischen und lässt sich übersetzen mit „Spinner“, „Verrückte“ oder „Exzentrikerin“.

 

kookbooks ging 2003 aus dem Berliner KünstlerInnen-Kollektiv KOOK hervor. Deren Mitglieder Daniela Seel und Andreas Töpfer hoben einen Verlag aus der Taufe, den sie in den ersten zehn Jahren untertitelten mit „labor für poesie als lebensform“: ein Thinktank für frische und experimentelle Lyrik-Konzepte, außerdem für zeitgenössische Prosa, Essays und ungewöhnliche Kinderbücher. Dabei ging es den beiden von Anfang an auch darum, „den Begriff und das Verständnis von ‚deutscher‘ Literatur zu erweitern oder zu irritieren [...] und poetische Vielsprachigkeiten im Gedicht ganz selbstverständlich zu behandeln“, so Daniela Seel im Interview mit dem Magazin Signaturen

 

Aus dem Labor-Gedanken heraus wurden Formate entwickelt, in denen Schreibende und Kunstschaffende über das gängige Verständnis von Literatur hinaus experimentieren können – nicht nur mit Texten, sondern mit Körpern, Stimmen und Maschinen. Auf diese Weise sei es kookbooks „in kurzer Zeit gelungen, in der Buchbranche als junger, risikofreudiger und innovativer Verlag mit professionellem Engagement, seinem Gespür für literarische Talente, seinen sorgfältig gemachten Büchern neue, erfrischende Akzente zu setzen“, heißt es in der Begründung für den Projektförderpreis der Kurt-Wolff-Stiftung. Zu seinen AutorInnen zählen Monika Rinck, Uljana Wolf, Farhad Showghi und Yevgeniy Breyger, dessen Gedichtband Gestohlene Luft kürzlich auf der SWR-Bestenliste stand und schon in zweiter Auflage vorliegt.

 

 

"Von Anfang an ging es darum, Werke zu ermöglichen. Und bestimmten Autorinnen und Autoren einen Raum zu geben. Das hat in erstaunlich vielen Fällen ganz fantastisch funktioniert."

 

Daniela Seel, Verlegerin von kookbooks

 

 

Neben der literarischen Qualität eint alle kookbooks-Publikationen ihr optischer Wiedererkennungswert – dafür zeichnet Andreas Töpfer als Grafik-Designer, visueller Essayist und Illustrator verantwortlich. Diese Nicht-Austauschbarkeit ist für Daniela Seel auch inhaltlich von hoher Bedeutung. Seel ist selbst Lyrikerin mit bislang drei veröffentlichten Gedichtbänden und unterrichtet Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Aber das ist nicht alles: Zeitweilig ist sie als Übersetzerin — in diesem Jahr etwa von Anne Boyer, Amanda Gorman und Robert Macfarlane für die Verlage Matthes & Seitz Berlin und Hoffmann und Campe —, Moderatorin, Veranstalterin und Jurorin tätig und hervorragend vernetzt. Ihr großes Engagement für die verlegerische Arbeit begründet Seel unter anderem damit, dass poetische Rede in der gegenwärtigen Verlagslandschaft kaum vorhanden sei: „Da herrscht oft einfach die Meinung, dass Dichtung zu weit weg sei, keine gesellschaftliche Relevanz besäße und man das deshalb getrost beiseitelassen könne“, sagt sie im Gespräch mit dem Kulturmanagement Network.

 

kookbooks bietet die Chance, einiges von dem, was in der zeitgenössischen Lyrik passiert, zu bündeln und so eine ganz andere Aufmerksamkeit  dafür zu schaffen. Bei ihrer Auswahl beweist Daniela Seel offenbar herausragendes Gespür: Vier ihrer AutorInnen wurden mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet, fünf mit dem renommierten Leonce-und-Lena-Preis, neben vielen weiteren, nicht zuletzt dem Spitzenpreis für kookbooks beim ersten Deutschen Verlagspreis 2019. Weit wichtiger erscheint aber der Grundgedanke, die Prämisse, die hinter diesem besonderen Verlag steht: dass Literatur immer etwas mit dem Leben zu tun hat und in der richtigen Form dazu beizutragen vermag, neue Erkenntnisse zu bringen und Antworten auf drängende Fragen zu finden in einer Sprache, die Schritt halten kann mit der sich beständig wandelnden Welt um uns herum.

 

Von Laura Sprenger

 

 

Bei uns im Programm

Martina Hefter

In die Wälder gehen, Holz für ein Bett klauen

 

19.90 € | NR 700509

Hefter: In die Wälder gehen

Dieses Buch schillert zwischen Gedicht, Essay und szenischen Schreibformen – radikal, persönlich, fiktional.

Yevgeniy Breyger

Gestohlene Luft

 

19.90 € | NR 700517

Breyger: Gestohlene Luft

Offen spricht dein Seelentier, menschlich seine Augenzahl. Mitten durch die Zellmembran küsst sich ein geheimer Wind, trittst du in mein Leben ein.

Dagmara Kraus / Andreas Töpfer (Ill.)

alle nase diederdase

 

18.00 € | NR 194880

Kraus: Alle Nase derdiedase

Ein fabelhaft lyrisches Kinderbuch von Dagmara Kraus, illustriert von Andreas Töpfer.