Es ist schade, einen wunderbaren Roman zu verpassen!

Ilija Trojanow, der Herausgeber der Reihe Weltlese - Lesereisen ins Unbekannte über die Faszination von Literatur aus fernen und unbekannten Ländern.

Welche Idee steckt hinter der Reihe Weltlese?
Die ganze Welt sei schon entdeckt, wird immer wieder behauptet. Nur stimmt dies nicht. In der Literatur beschränkt sich unsere Leseneugier überwiegend auf englische und amerikanische Romane und auf Werke aus unseren Nachbarländern. Es ist schade, einen wunderbaren Roman zu verpassen, nur weil er das Pech hat, zum Beispiel in Haiti geschrieben worden zu sein.

 

Sie sind als Schriftsteller einem breiten Publikum bekannt. Was reizt Sie daran, als Herausgeber tätig zu sein?
Ich habe als Verleger angefangen und mich immer auch als Vermittler verstanden. Das eigene Werk entsteht aus vielfältigen Lektüren – diese auch ins Deutsche zu tragen, ist insofern ein integraler Bestandteil meiner Arbeit.

 

Sie wählen als Herausgeber dieser Reihe Werke aus, die sonst kaum den deutschsprachigen Buchmarkt erreichen würden. Wie und wo finden Sie diese Titel?
In den letzten zwei Jahrzehnten sind viele Kontakte entstanden, gerade nach Afrika und Indien. Und erstaunlicherweise sind einige meiner Lieblingsbücher noch gar nicht ins Deutsche übersetzt.

Gibt es einen kulturellen Graben, der die Zugänglichkeit und das Verständnis erschwert?
Natürlich. Zum Beispiel die Namen. Viele Leser tun sich ja schon mit Dostojewski schwer. Oder die kulturellen Implikationen, die ein bestimmtes schwer nachvollziehbares Verhalten der Figuren bedingen. Aber die Literatur darf einige Geheimnisse behalten. Sie ist keine mathematische Gleichung, die unbedingt aufzugehen hat.

 

Literatur als Kulturvermittlung – ist das nur eine ehrenwerte Idee oder funktioniert das wirklich?
Es gibt keine bessere Möglichkeit, einer unbekannten Gegend samt ihrer Kultur näherzukommen.

 

Viele Romane der Reihe zeichnen sich durch die Verknüpfung von Geschichte und Fiktion aus. Was fasziniert Sie an dieser Verknüpfung?
Ich glaube, dass der Roman unser bestes Instrument ist, die Welt, also auch unsere Geschichte, zu verstehen.