"Bei der Recherche habe ich schon Tränen gelacht."

Interview Lisa-Marie Schöttler  
Fotografie Martin Mascheski
 
Andrea Baron arbeitet als Lektorin für die Büchergilde und konzipiert und textet regelmäßig literarische Spiele wie Die Würfel sind gefallen, Die Wände haben OhrenLegendäre FrauenSagenhafte Kreaturen und zuletzt das Quartett Des Pudels Kern. Im Interview mit Lisa-Marie Schöttler berichtet sie über die Entstehung dieser einzigartigen literarischen Spiele.


Bis vor kurzem hast du an Des Pudels Kern gearbeitet – wie kommt es bei den Projekten zur Ideenfindung?
Ganz am Anfang steht das Brainstorming mit der Editionsredaktion. Wir fragen uns, welche Themen gerade aktuell sind und was die Menschen bewegt. Wir würden nie ein Thema machen, das uns nicht auch selbst interessiert.

Und dann beginnt die Recherche?
Genau, danach recherchiere ich in Bibliotheken und im Internet. Meistens ändern sich dann noch einmal gewisse Details des Konzepts. Gerne frage ich auch die Illustratorin, ob es etwas gibt, das sie zeichnen möchte, denn ich versuche immer auch etwas Persönliches in das Spiel einzubauen. Julia Krusch habe ich daher nach ihrem Lieblingsroman gefragt. Und bisher enthält jedes Spiel eine kleine persönliche Note, einen „Insider“ von mir (lächelt) – meine Freunde haben sie meistens entdeckt. In Des Pudels Kern ist es Der Hund von Baskerville – mein erster Holmes-Roman und mein Zugang zur Kriminalliteratur.

Bislang haben ausschließlich weibliche Illustratorinnen die Spiele gestaltet – ist das Zufall?
Ich behaupte, dass es bis jetzt Zufall war, außer bei den Legendären Frauen. In dem Fall war es uns ganz wichtig, dass ausschließlich Frauen an dem Projekt arbeiten – eine Autorin, eine Illustratorin, eine Herstellerin. Die Vorauswahl in Sachen Illustration trifft die Herstellung, danach schauen wir uns zusammen die bisherigen Arbeiten der Favoriten an und entscheiden, wessen Stil am besten zum Thema des Spiels passt.   

Seit einer ganzen Weile bist du nun schon der kreative Kopf hinter den Spielen aus der Collection Büchergilde. Was ist das spannendste oder seltsamste, das dir bei deinen Recherchen untergekommen ist?  
Kuriose und witzige Dinge begegnen mir immer wieder, manchmal bin ich ziemlich überrascht und wundere mich: Warum habe ich das nicht gewusst? Bei der Recherche zu den Sagenhaften Kreaturen bin ich darauf gestoßen, dass es über den Rasselbock tatsächlich eine Art Survival-Guide gibt und echte – wenn auch nicht ernst gemeinte – Jagden auf ihn stattfinden. Ich habe schon Tränen gelacht. 

Bei der Büchergilde warst du zunächst im Marketing, anschließend bist du Lektorin geworden und betreust nicht nur die Edition Büchergilde, sondern auch Teile des Belletristikprogramms und die Krimis. Was gefällt dir eigentlich besser, das „klassische“ Lektorat oder die Entwicklung der Spiele?  
Beides hat seine schönen Seiten, bedeutet aber auch sehr viel Arbeit. Wenn ich das fertige Spiel in den Händen habe, ziehe ich auf jeden Fall diesen Teil der Arbeit vor. Wenn ich aber gerade in den letzten Schreibzügen eines unserer Spiele stecke und die Tage nur so dahin fliegen, dann sehne ich mich nach dem “klassischen Lektorat”.  

Von welchem Spiel würdest du dir wünschen, dass du es erfunden hättest?  
Definitiv: Munchkin – ein weiteres kluges Kartenspiel. 



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Andrea Baron, 1985 geboren, studierte Philosophie, Amerikanistik und Alte Geschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt a.M.