50 Jahre Büchergilde Gutenberg

Günter Grass bei der Jubiläumsfeier

1970 erhält Helmut Dreßler zu seinem sechzigsten Geburtstag die Auszeichnung verliehen: „Dem Förderer des deutschen Buches“. Insgesamt wurden bisher über 50 Gildenbücher zu den schönsten Büchern prämiert, allesamt nicht hergestellt als kostbare Einzelstücke, sondern in hoher Auflage zu günstigen Preisen. Neben der Buchillustration führt die Zusammenarbeit mit Künstlern 1971 zur Programmerweiterung. Die Büchergilde bietet Originalgrafiken an zu deutlich günstigeren Preisen als in Galerien. Sie werden damit für ein allgemeines Publikum erstmals erschwinglich. Die erste Grafikedition enthält Blätter u.a. von Gertrude Degenhardt, HAP Grieshaber und Christoph Meckel.

 

1974 feiert die Büchergilde ihren 50. Geburtstag. Seit 1948 sind 1800 Titel in 30 Millionen Exemplaren erschienen und das Programm ist mit Büchern, Grafiken, Schallplatten zu Spielen vielfältiger und profilierter denn je. Günter Grass würdigte 1974 in seiner Laudatio zum 50. Verlagsgeburtstag die Treue zur Tradition und warb für das gute Buch: „Für zweihundert Mark sollte es möglich sein. Soviel kostet ein funkelndes Kofferradio in mittlerer Preislage, soviel kosten zwei Konfektionskleider, ein Anzug von der Stange, zwölf Kilo Rinderbraten oder Schweinefilet. Ich biete Bücher. Sie halten länger. Sie lassen sich bei jedem Wetter benutzen. Sie machen nicht dick. Sie ersetzen Reisen, sind aber auch leicht transportabel. Mit Büchern will ich für das Lesen werben.“

Büchergilde ohne Helmut Dreßler?

„Lieber, sehr lieber Herr Dreßler, um alles in der Welt: Was machen Sie für Geschichten? Atheisten beten nicht, aber sie halten inbrünstig sämtliche Daumen. Das tun, wie viele Ihrer Freunde, auch Lotte und ich selber.“ Ein knappes Jahr vor seinem eigenen Tod sprach Erich Kästner Helmut Dreßler noch Mut auf dem Krankenbett zu, von dem aus dieser bis Dezember 1974 die Büchergilde leitete.

 
Dreßlers Tod bedeutete einen tiefen Einschnitt in die Geschichte der Büchergilde. Beinahe zwei Jahre dauerte es, bis die gewerkschaftlichen Eigner die Nachfolge klärten. In diesem Vakuum entstand sehr schnell eine Interimsleitung, zu der sich Mitarbeiter zusammenschlossen, die auch vorher schon wichtige Positionen innehatten. So trugen Günther Geisler und Edgar Päßler, beide Lektorat, Ernst Grell und Rolf Backhaus, Vertrieb und Werbung, Otto Päglow und Juergen Seuss, Herstellung, in Selbstorganisation Sorge dafür, dass die Buchgemeinschaft keinen Einbruch erlitt. Aufgrund des unermüdlichen Einsatzes der Mitarbeiter in Verlag und Geschäftsstellen blieben die Leistungen der Büchergilde auf einem hohen Niveau, auch wenn die Geschäftsführer in der Folge häufiger wechselten und die Verlagspolitik damit unruhiger wurde.

 

Herausragende Bücher waren: Hermann Hesse, Der Steppenwolf (schönste Bücher); Liam O’Flaherty, Der Stromer, illustriert von Gertrude Degenhardt; Joseph Roth, Die Kapuzinergruft illustriert von Georg Eisler, Ambrose Bierce, Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen, illustriert von Klaus Böttger. Als Erstausgabe der deutschen Originalfassung erscheint Gustav Reglers Roman aus dem Spanischen Bürgerkrieg Das große Beispiel. Zum 100. Geburtstag von Jack London erscheint eine 20-bändige Jubiläumsausgabe. An das Werk
B. Travens wird mit einer 17-bändigen Werkausgabe erinnert.