Von der Buchgemeinschaft zur Kulturgemeinschaft

Nachdem Management-buy-out war es das Ziel, die Büchergilde wieder auf Erfolgkurs zu bringen. Mario Früh übernahm der Geschäftsführung und Verantwortung für die Originalausgaben, Corinna Hufmann die Leitung des Programms, Katrin Jacobsen die Herstellung und Dieter Bund das Marketing. Die einst eigenen Buchhandelstreffpunkte wurden 1998 selbständig, das Buchhandelsnetz durch die Zusammenarbeit mit unabhängigen, inhabergeführten Buchhandlungen auf 80 Treffpunkte erweitert. 2001 wurden die Anteile der auf die Exilzeit zurückgehenden Schweizer Büchergilde Gutenberg AG von den Gesellschaftern der Büchergilde zurückgekauft. Mit dem Verkauf von Büchergilde Aktien in den Jahren 2006 und 2007 hatten Mitglieder und Freunde der Büchergilde die Gelegenheit, sich am Unternehmen zu beteiligen. Es war ein weiterer wichtiger Schritt zu Stärkung der Unabhängigkeit und des Gemeinschaftsgedankens der Büchergilde. Die Idee einer Art „Non-Profit-Organisation“ lebt bis heute, da alle Erträge in das Programm und der Förderung der Lesekultur investiert werden.

Ausbau der Originalausgaben und des Programmspektrums

Die wirtschaftliche Sanierung und Gewinnung neuer Mitglieder wurde besonders durch eine engagierten Programmpolitik vorangetrieben, die an die alten Ideale der Gründungsidee in neuer Form anknüpfte: Die Konzentration auf ein qualitativ hochwertiges Programm mit außergewöhnlicher Ausstattung zu günstigen Preisen. Durch die Anknüpfung an die verlegerische Tradition der Büchergilde konnten die Weichen für eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung gestellt werden. Veröffentlicht wurden wieder verstärkt Originalausgaben und neuen Editionen, die 2002 in der Gründung eines eigenen Verlages, der edition Büchergilde mündeten.

 

Es gelang, ein neues und jüngeres Publikum zu erreichen und eine bessere Aufmerksamkeit in den Medien zu erhalten. Mit der Reihe Die Tollen Hefte  (seit 2001) wurde insbesondere jüngeren Illustratorinnen und Illustratoren ein Forum geboten, die Klassiker-Bibliothek (seit 2002) bietet zeitlose Inhalte in einer hochwertigen Gestaltung. Einen neuen Blick auf 40 Jahre DDR-Vergangenheit ermöglichte die hochgelobte Reihe Die Verschwiegene Bibliothek (2004). Sie vereint erstmals Texte, Prosa und Gedichte, die bisher nie den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hatten – lebendige Innenansichten einer Zeit zwischen Bespitzelung und geistiger Autonomie. Ein verlegerisches Großprojekt wagte die Büchergilde 2007 mit der 30-bändigen Bibliothek von Babel. Es ist das Alterswerk von Jorge Luis Borges mit Kleinodien der Phantastischen Literatur, für die Büchergilde-Ausgabe wurde Bernhard Jäger mit der Gestaltung der Künstlerumschläge beauftragt. Einen neuen literarischen Akzent setzt seit 2008 die von Ilija Trojanow herausgegebene Reihe Weltlese. Sie schließt weiße Flecken auf der Literaturlandkarte – Entdeckungen von vergessener oder hierzulande unbekannter Literatur aus anderen Kulturen, die erstmals dem deutschen Publikum vorgestellt werden.

Die Reihe Weltlese, herausgegeben von Ilija Trojanow

Neben den zahlreichen Original- und Exklusivausgaben wurde auch das Gesamtprogramm der Büchergilde erweitert mit Hörbüchern,  einem besonderen Filmangebot, englischsprachigen illustrierten Klassikern der Folio-Society, mit exklusiven Musik-Editionen und dem Angebot besonderer Geschenkartikel und -bücher der Collection Büchergilde. Jüngstes Beispiel dafür sind die beliebten Bändchen aus der Reihe „Petits Fours“ und das Mythologiespiel „Sisyphos und Sphinx“.

 

Heute bietet die Büchergilde mit über 1200 Titeln das vielfältigste Programm ihrer Geschichte. Insgesamt sind über 9000 Titel seit der Gründung erschienen mit über 150 nationalen und internationalen Auszeichnungen für die herausragende Gestaltung der Bücher. Nach wie vor erhalten zahlreiche Bücher von der Stiftung Buchkunst den Jahrespreis „Schönstes Buch“, zuletzt 2011 Zazie in der Metro

 

Engagement und Nachwuchsförderung

Die Tradition zu bewahren und sie mit neuen gesellschaftlichen Entwicklungen und einem kulturpolitischen Engagement zu verbinden, gehört zur Leitidee der Büchergilde. Kritischer Spiegel zu sein, mit unterhaltenden wie auch aufklärenden Themen, Neues zu entdecken mit Blick für das Besondere und Nachwuchstalenten und auch  unbekannten Autoren und Künstlern eine Plattform zu geben, prägen die Programmauswahl.

 

Seit 2002 vergibt die Büchergilde alle zwei Jahre zur Nachwuchsförderung einen Gestalterpreis an junge Künstler. Die beste Illustration und Gestaltung eines Romans wird prämiert und anschließend in der Büchergilde verlegt. Im Dialog mit Professoren und Studierenden an Hochschulen erfolgt die Ausschreibung und ist oftmals der Start für eine erfolgreiche künstlerische Laufbahn. Daneben entstehen in Zusammenarbeit mit Hochschulen außergewöhnliche Titel, wie das Buch Menschenpflichten (2011), eine illustrierte Liebeserklärung an den Gemeinsinn der Menschen  oder Wörter erzählen Geschichte (2011),  ein Ratespiel  um die Worte des Jahres. Aktiv ist die Büchergilde auch im Bereich der Leseförderung. Mit dem 2011 gegründeten Verein Die Welt des Lesens e.V. werden Kinder und Jugendliche gefördert, die kaum Zugang zu eigenen Büchern haben und eine individuelle Leserförderung benötigen.

 

Die Büchergilde ist heute ein Treffpunkt und eine engagierte Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Über 80.000 Leserinnen und Leser, Autoren, Künstler, Buchhändler und Kulturschaffende sind Mitglied dieser Kulturgemeinschaft. Zusammen schaffen sie ein lebendiges und engagiertes Forum für Kultur. Mit Veranstaltungen und eigenen Literatur- und Kulturreisen entstehen Orte der Begegnung und besonderer Erlebnisse.