Gestalterpreis 2018

Theodor Storm: Ein Doppelgänger

In diesem Jahr geht die Auszeichnung an die Nachwuchs-Illustratorin Sophie Nicklas für ihre überzeugende bildliche Umsetzung von Theodor Storms Novelle „Ein Doppelgänger“. Der von Nicklas illustrierte „Doppelgänger“ erscheint im Juni bei der Büchergilde, im zeitlichen Umfeld dazu findet auch die Preisverleihung statt.

 

Elf Studierende der Klasse Illustration/Comic der Kunsthochschule Kassel sind der Einladung der Büchergilde Gutenberg gefolgt und haben ihre Illustrationen zu Storms Novelle eingereicht. Von den stilistisch sehr unterschiedlichen Beiträgen hat der Entwurf von Sophie Nicklas die Jury nicht nur aufgrund seines modernen, vielschichtigen und konsequent durchgehaltenen Bildkonzepts am meisten beeindruckt: „Die mutigen Illustrationen haben uns bewegt, wir waren von der satten Farbigkeit überrascht – eine erfrischende Art, diesem ja eben nicht nur düsteren Text zu begegnen. Sophie Nicklas hat es gewagt, dem ‚Doppelgänger‘ auch einen gewissen Humor zuzugestehen, was sehr spannend ist“, so die Begründung durch die Jury. Diese setzte sich zusammen aus Antje Herzog (Illustratorin), Sebastian Lörscher (Zeichner/Autor), Claudia Gerdes (PAGE), Katharina Pischedda (Büchergilde Buchhandlung Mainz) und Cosima Schneider (Herstellungsleitung Büchergilde). „Wir wollen mit dem Gestalterpreis ja durchaus Sehgewohnheiten brechen“, sagt Cosima Schneider, „auch deswegen bin ich sehr froh, dass es dieses Buch geworden ist.“

© privat

Sophie Nicklas wurde 1995 in Augsburg geboren. Nach einem Praktikum beim Verlag Rotopol begann sie 2014 ihr Studium von Illustration und Comic an der Kunsthochschule Kassel. Dort betreut sie gemeinsam mit einigen KommilitonInnen auch das Papiercafé, einen Verkaufsraum für studentische Eigenpublikationen.

Gestalterpreis 2016

Wolfgang Herrndorf: Tschick

Den Gestalterpreis 2016 gewann Laura Olschok. Sie illustrierte Tschick von Wolfgang Herrndorf. Weitere Informationen finden Sie hier und auf der Seite der FH Bielefeld.

Gestalterpreis 2014

Heinrich Mann: Professor Unrat

Für den Gestalterpreis 2014 hatten Studenten der Hochschule für Gestaltung in Offenbach Heinrich Manns Roman „Professor Unrat“ illustriert.

Die Jury, bestehend aus Till Kaposty-Bliss (Art Direktor DasMagazin, Berlin), Anke Kuhl (Illustratorin, Frankfurt am Main), Ingeborg Schindler (Illustratorin, Frankfurt am Main), Dirk Streitenfeld (Galerist Comic-Kunst, Oberursel) und Cosima Schneider (Herstellungsleiterin Büchergilde), entschieden sich einstimmig für den Entwurf von Martin Stark. Er „verbindet gekonnt verschiedene Bildebenen, Bilder aus dem Film Der blaue Engel, expressionistische Bilder, Comichaftes und Modernes zu einem individuellen und überzeugenden Stil. Perspektivwechsel, Proportionsänderungen und der Schwarzweißraum sind wunderbar inszeniert.“, so die Begründung der Jury.

 


Die Studenten mit der Herstellungsleiterin der Büchergilde, Cosima Schneider (links)

Der Illustrator Martin Stark zu seiner Herangehensweise an Professor Unrat


„Eigentlich war ich anfangs wenig begeistert darüber, ausgerechnet den „Unrat“ zu illustrieren, den ich in der Schule schon gelesen und seitdem nie wieder angefasst hatte. Ich konnte mich nur noch grob an die Handlung erinnern, und daran, dass mir auch die Verfilmung damals nicht allzu gut gefallen hatte. Allerdings wurde ich beim erneuten Lesen ziemlich schnell wieder hineingezogen, in die sehr lebhafte und atmosphärisch dichte Schilderung des Schulalltages, der Hafen- und Kneipenszene vor hundert Jahren mit ihren schrägen Charakteren und ihrem norddeutschen Dialekt. Die Illustrationen sollten genauso lebendig wirken, und die Gesellschaftssatire durch karikaturhafte Überspitzung optisch unterstreichen, zeigen, dass der alte Schinken auch heuite noch frisch und modern sein kann, gleichzeitig aber auch das Flair der damaligen Zeit abbilden.“

Martin Stark wurde 1973 in Offenbach am Main geboren, wo er visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung studiert. Er illustriert für Zeitschriften, beispielsweise zusammen mit dem Bambam-Kollektiv für das Wrap Magazine, London. Für das Onlinemagazin Paternoster und die Kulturfabrik Mainz hat er Comics gezeichnet. Martin Stark entwirft T-Shirts, gestaltet Plakate sowie Internetseiten und entwickelt Logos. 2006 er schien bei Eichborn das von ihm illustrierte Buch Es steht 0:0. Oder umgekehrt?

Gestalterpreis 2012

Die Jury mit dem Gewinnerbuch

Patricia Highsmith: Der talentierte Mr. Ripley

Dieses Jahr ging es beim Gestalterpreis um Patricia Highsmiths Roman „Der talentierte Mr. Ripley“. 22 Studierende der Kunsthochschule Burg Giebichenstein haben ihre Entwürfe eingereicht. Gewonnen hat Alexandra Rügler.

Die Jury, bestehend aus Christiane Hahn (Grafikerin), Moni Port (Illustratorin), Uta Schneider (Stiftung Buchkunst), Katrin Jacobsen (Herstellungsleiterin Büchergilde) und Andreas Platthaus (Frankfurter Allgemeine Zeitung) entschieden sich für die innovative Idee eines 3D-Romans. Diese Technik spiegelt auch die Vielschichtigkeit der Hauptperson im Roman wieder. Man kann die Illustrationen auch ohne Brille genießen, den Büchern wird jedoch eine Brille beiliegen.
 

Gestalterin Alexandra Rügler über ihre Vorgehensweise:

„Meine Illustrationen zu Der talentierte Mr. Ripley sind anaglyphische 3D-Bilder, die ich auf der Grundlage von Tuschezeichnungen erstellt habe. Der zweischneidige Charakter des Tom Ripley und die teilweise verzerrte, schon groteske Sicht auf die Welt durch dessen Augen brachten mich zu meinen Illus trationen und zu dieser Technik. Meine Intention dabei ist, dem Leser Räume zu eröf fnen, die das Befremdliche, Bizarre der Situationen unter stützen. (…) Der Aspekt, den Betrachter mit dem Buch in Interaktion zu bringen, ihn damit spielen zu lassen und eine zweite Leseebene zu eröffnen, in der man das Buch neu entdecken kann, reizte mich sehr beim Illustrieren.“

© privat

Alexandra Rügler geboren am 12. April 1988 in Athen, Griechenland, wuchs in Berlin auf. Sie studiert seit 2009 in Halle (Saale) Kommunikationsdesign an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Derzeit studiert Alexandra Rügler am Seoul National University College of Fine Arts, Seoul, Südkorea.

Gestalterpreis 2010

Preis der Stiftung Buchkunst

Raymond Queneau: Zazie in der Metro

Zum 6. Mal hat die Büchergilde den Gestalterpreis für junge Künstler vergeben. In diesem Jahr ist Joe Villion, eine Studentin bei Henning Wagenbreth an der Universität der Künste in Berlin, Gewinnerin des Preises.

Um sich optimal auf den Text und die künstlerische Umsetzung vorzubereiten, fällte die Klasse von Henning Wagenbreth eine ungewöhnliche Entscheidung: Die Studenten fuhren gemeinsam nach Paris, um die besondere Atmosphäre der Stadt in ihren Illustrationen einfangen zu können. Das eventuelle Preisgeld des Gewinners würde später zur Finanzierung der Reisekosten verwendet werden. Das hat sich gelohnt, denn es wurden viele herausragende Arbeiten eingereicht.

 

Die Jury: Silke Wrzodek (Artclub Büchergilde), Stefanie Schelleis (Herstellungsleiterin Hanser Verlag), Monika Aichele (Professorin für Illustration und Zeichnen Mainz), Philip Waechter (freier Grafiker und Illustrator in Frankfurt) und Katrin Jacobsen (Herstellungsleiterin der Büchergilde).

© Joe Villion

„Die vielen grotesken Charaktere und Situationen, die Zazie auf ihren Streifzügen durch Paris erlebt, haben mich zu den schrillen Farben inspiriert – Queneaus Sprachakrobatik, die Hochsprache mit Anglizismen, Slang und wörtlicher Rede verquirlt, zu einer Mischung aus analogen Pinselzeichnungen und computergeneriertem Raster. (…)
Es hat unglaublichen Spaß gemacht, Queneaus Geschichte zeichnerisch umzusetzen und es fiel mir fast schon schwer, nicht jede einzelne beschriebene Situation zu illustrieren.
Bemerkenswert finde ich, wie Queneau seinen Charakteren innere Ruhe und Gelassenheit schenkt, und sie so gegen die konstante Überreizung im allgemeinen Trubel wappnet.“

Gestalterpreis 2008

Virginia Woolf: Orlando. Eine Biografie

Beim diesjährigen Gestalterpreis ging es um die Umsetzung von Orlando von Virginia Woolf. Der Wettbewerb wurde an der Fachhochschule Düsseldorf (Hauptstudium Illustration und Gestaltung) mit Studentinnen und Studenten von Professor Victor Malsy und Professor Ulf Rungenhagen durchgeführt. Insgesamt haben 18 Studierende daran teilgenommen. Gewonnen haben Manuela Sliwa und Dušan Milenkovic, sie haben den Text in einer Gemeinschaftsproduktion mit lebhaften Collagen illustriert.

 

Die Jury:  Ines Ketelhodt (Grafikerin und Designerin), Felix Scheinberger (Illustrator und Dozent für Illustration), Bernhard Jäger (Künstler und Buchillustrator), Werner Zegarzewski (Herstellungsleiter Suhrkamp Verlag) und Katrin Jacobsen (Herstellungsleiterin der Büchergilde).

 

Die äußerst lebhaften Collagen, die aus Gemäldeschnipseln mehrerer Jahrhunderte bestehen, überzeugten die Jury: Eine perfekte und außergewöhnliche Umsetzung des Inhalts - von alt zu neu. Die Atmosphäre durchdringt den Text, man kann die Umsetzung als Zitat verstehen und bekommt Gefallen daran. Die Typografie wirkt ebenfalls sehr professionell und passt hervorragend. Das Covermotiv mit der Ausstanzung im Motiv und der Einband sind besonders gut gelungen.

Manuela Sliwa

Manuela Sliwa wurde 1981 im schlesischen Beuthen geboren. Ihr Interesse galt schon früh der Kunstgeschichte und Malerei. Sie studiert seit 2003 Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf und arbeitet nebenbei als freie Mitarbeiterin in einem Designbüro in Köln.

Dušan Milenkovic

Dušan Milenkovic wurde 1978 als Sohn serbischer Immigranten in Remscheid geboren. Schon während der Schulzeit interessierte er sich für Street Art, zeichnete viel und legte so den Grundstein für seine kreative Laufbahn. Nach einer dreijährigen Ausbildung zum Mediengestalter studierte er Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf. Neben dem Studium arbeitet er als Freelancer in diesem Bereich.

Gestalterpreis 2006

Stanislaw Lem: Der Schnupfen

In einem süditalienischen Badeort verschwinden oder sterben elf Kurgäste. Die Ermittlungen der lokalen Polizei sind gescheitert. Dachte man zunächst wegen der relativ großen Zeitspannen zwischen den einzelnen Ereignissen noch an Selbstmorde, muss diese Hypothese nach genauem Aktenstudium in den meisten Fällen ausgeklammert werden. Und auch Unfälle sind wenig wahrscheinlich, denn was soll man davon halten, wenn ein ehemaliger Champion im Crawlen im seichten Strandgewässer ertrinkt? Allmählich verdichtet sich der Verdacht, einem größeren organisierten Verbrechen auf der Spur zu sein, zu dessen Aufklärung die lokalen Polizeibehörden Interpol einschalten − doch auch dies führt zu keinem Ergebnis. Schließlich wird ein Reserveastronaut a.D. beauftragt, den ungewöhnlichen Fall zu klären. Akribisch baut Lem ein Netz aus nebensächlichen Fakten auf, deren Zusammenhänge der Ermittler erst im furiosen Finale ganz begreift …

Mandy Schlundt wurde 1983 im südthüringischen Suhl geboren. Schon im Grundschulalter hat sie Bildgeschichten erfunden und somit ihre spätere Laufbahn als Illustratorin vorbereitet. Nach dem Abitur studierte sie in Wiesbaden Kommunikationsdesign. Mit dem bestandenen Vordiplom wechselte sie 2004 an die FH Mainz, um dort ihr Studium mit dem Schwerpunkt Illustration fortzusetzen.

Zur Homepage von Mandy Schlundt →

Gestalterpreis 2002

Ray Bradbury: Fahrenheit 451

Fahrenheit 451 ist die Temperatur, bei der Bücherpapier Feuer fängt und verbrennt. Und Bücher sollen verbrannt werden in Bradburys düsterer Zukunftsvision, als letzte Zeugen individualistischen Denkens und menschlicher Beziehungen in einer Welt der Automaten.


Der Feuerwehrmann Montag beteiligt sich wie selbstverständlich an der systematischen Vernichtung von Büchern. Als er einer jungen Frau begegnet, die sich noch nicht der allseits herrschenden Konformität gebeugt hat, beginnt er über den Sinn seines Handelns nachzudenken. Und bald stellt er selbst eine Bedrohung für das System dar. Der Jäger wird zum Gejagten.


Fahrenheit 451 erschien erstmals 1953 und ist längst zu einem modernen Klassiker geworden. Der Roman steht neben Aldous Huxley und George Orwell in der Tradition kulturkritischer Zukunftsromane, denen es nicht um die Darstellung des technischen Fortschritts geht, sondern um die Bedrohung des Individuums in einer technisierten Welt.


Die Illustrationen in diesem Buch wurden in Schabetechnik gearbeitet. Ein weißer Untergrund, der mit schwarzer Farbe beschichtet ist, wird durch Kratzen und Schaben mit Messer oder Nadel freigelegt. Wie beim Holz- oder Linolschnitt wird negativ gearbeitet, so dass am Ende die schwarze Form stehen bleibt.

Katrin Stangl, geboren 1977, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Für die Büchergilde entwarf sie zahlreiche Buchcover, gestaltete das Tolle Heft 26 und illustrierte Fahrenheit 451, wofür sie beim Wettbewerb Schönste Bücher aus aller Welt mit der Bronzemedaille ausgezeichnet wurde. Katrin Stangl erhielt zahlreiche Preise, unter anderem den Hans-Meid-Förderpreis und den Birkner-Preis für Illustration. Seit 2009 unterrichtet sie an der Fachhochschule Mainz. Ihre Arbeiten sind in Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.