ZUM 200. GEBURTSTAG VON F.M. DOSTOJEWSKI

 

Dostojewski: Russlands großer psychologischer Erzähler

 

Zum 200. Geburtstag von F.M. Dostojewski haben wir Ihnen hier eine Auswahl seiner großen Werke zusammengestellt, die nicht nur spannend und unterhaltsam zu lesen sind, sondern auch einen historischen Rückblick in das turbulente 19. Jahrhundert bieten.

 

 

F.M.Dostojewski          

Fjodor Michailowitsch Dostojewski wurde 1821 in Moskau geboren. Er erlebte die Höhen und Tiefen des 19. Jahrhunderts und verarbeitete diese Schicksalsschläge in seinen Werken. Vor allem die Aufzeichnungen aus einem toten Haus und Der Spieler schrieb Dostojewski aus eigenen Erfahrungen heraus. Sein Leben steht so in direktem Zusammenhang mit seiner Kunst und genau dies macht seine Werke authentisch und einzigartig. Die komplexen Verhältnisse, die Dostojewski aufzeigt, sind auch heute im Hinblick auf unsere rapide fortschreitenden gesellschaftlichen Entwicklungen immer noch brandaktuell.

 

Neben Dostojewskis persönlich inspirierten Klassikern empfehlen wir Ihnen noch die letzten Exemplare der Vorzugsausgabe des Ewigen Ehemanns und die legendäre Verfilmung von Schuld und Sühne.

 

 


Dostojewskis großer autobiographischer Roman

Aufzeichnungen aus einem toten Haus

 

Am Anfang steht ein Mord: Alexánder Petrówitsch Gorjántschikow wird zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der verwöhnte Adelige kommt nach Sibirien ins Lager. Der Schock von Verbrechen und Strafe verändert ihn zutiefst, und so beginnt er den Bericht über das, was ihm und seinen Leidensgefährten Tag für Tag widerfährt. Dostojewski schreibt aus eigenem Erleben: 1849 wurde er wegen revolutionärer Umtriebe zum Tode verurteilt, nach einer Scheinhinrichtung deportiert und verbrachte vier Jahre in Ketten. Dieser autobiografische Roman gehört zu seinen größten Büchern und liegt hier in brillanter Neuübersetzung durch die prämierte Übersetzerin Barbara Conrad vor.

 

Übersetzerin Barbara Conrad, geboren 1937 in Heidelberg, studierte Slawistik, Anglistik und Germanistik. Sie ist freiberuflich als Übersetzerin und Herausgeberin tätig.

 

 


Dostojewskis rasantester Roman - Neu übersetzt von Alexander Nitzberg

Der Spieler -- Aus den Aufzeichnungen einen jungen Mannes

 

Der Untertitel von Dostojewskis Romans lautet „Aus den Aufzeichnungen eines jungen Mannes“. Und dieser junge Mann ist Alexey Iwanowitsch. Der Hauslehrer sieht gar nicht ein, warum er ein Gentleman sein sollte. Viel lieber macht er schnelles Geld (und manchmal auch Verluste) am Roulettetisch. Was sollte daran schlechter sein als andere Arten der Geldbeschaffung? Denn wenn sich alle gegenseitig übers Ohr hauen, ist ja wohl kaum etwas dabei. Iwanowitsch liebt es, sich einzumischen und Ärger zu erregen. Dostojewski schickt einen Helden voller Respektlosigkeit und jugendlicher Streitlust ins Rennen, der viele Parallelen zu ihm selbst aufweist. In nur 26 Tagen schrieb er diesen Roman, weil er – wie seine Hauptfigur – Spielschulden hatte und Geld brauchte. Genau diese authentische Grundlage macht einen guten Teil der Anziehungskraft dieses Werkes aus.

 

Übersetzer Alexander Nitzberg wurde 1969 in einer Künstlerfamilie in Moskau geboren und wanderte 1980 nach Deutschland aus. Er studierte Germanistik und Philosophie in Düsseldorf und lebt heute als freier Schriftsteller, Übersetzer, Publizist, Librettist und Rezitator in Wien. Für seine Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet.

 

 

 


Dostojewski illustriert entdecken

Der ewige Ehemann

 

Limitierte Vorzugsausgabe mit einer Original-Farblithografie von Nadine Respondek-Tschersich

 

Dostojewskij, stets gerühmt für seine Charakterzeichnung, ist nicht zuletzt ein bedeutender Kriminalautor. Nicht nur lässt sich Schuld und Sühne als Kriminalroman lesen, auch die vier Jahre später (1870) erschienene Erzählung Der ewige Ehemann ist ein Klassiker der Spannungsliteratur. Das Drama entspinnt sich zwischen dem Lebemann Weltschaninow und dem Beamten Pawel Pawlowitsch, der Jahre nach dem Tod seiner Frau von deren Verhältnis mit Weltschaninow erfährt und sich am Liebhaber seiner Frau zu rächen sucht. Anfangs weiß er noch nicht, „„womit er das Ganze abschließen soll: mit einer Umarmung oder mit einem Mord. Natürlich kam er zu dem Schluss, dass es am besten sei, das eine und das andere zu tun, und zwar zusammen.“

 

Nadine Respondek-Tschersich hat den Text mit 30 vierfarbigen Zeichnungen trefflich illustriert. Ihre Bilder erfassen die Atmosphäre des Romans und die psychische Verfassung seiner Protagonisten auf bewundernswerte Weise und verleihen dem Text damit eine zusätzliche Dimension.

 

Illustration Der ewige Ehemann

                  Illustration Der ewige Ehemann

 

 

Illustratorin Nadine Resondek-Tschersich,1976 in Potsdam geboren, studierte von 1998 bis 2004 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Neben der Auseinandersetzung mit Radierung und Lithographie wurde das Buch Hauptbestandteil ihres künstlerischen Arbeitens. 2006 erhielt ihr illustriertes Buch Der Star des Herrn Liebelt von Jan Neruda eine Prämiierung für „„Die schönsten deutschen Bücher 2006““. 2007 wurde ihr der Förderpreis für Buchillustration der Hans-Meid-Stiftung zugesprochen.

 

 

 


Dostojewski für Filmliebhaber

Der legendäre, sowjetische Kino-Zweiteiler von Lew Kulidschanow

DVD Schuld und Sühne  (1970)

 

Der Student Raskolnikow wird zum Raubmörder, weil er sich in nihilistischer Verblendung über jede Moral hinwegsetzt und eiskalt einer rationalen Weltsicht gehorcht. Aber er hat nicht damit gerechnet, dass sich bei ihm sein Gewissen meldet, das ihm nun genauso hartnäckig zusetzt wie die quälende Befürchtung, die Hüter des Gesetzes könnten ihm auf die Schliche kommen. Raskolnikows einziger Ausweg ist es, sich seiner Schuld zu stellen. Dabei hilft ihm die Prostituierte Sonja.

 

FSK 12. Regie: Lew Kulidshanow; Darsteller: Georgi Taratorkin, Tatjana Bedowa, Innokenti Smoktunowski, Jefim Kopeljan, Maja Bulgakowa; Sprachen: Deutsch, Russisch; Extras: 28-seitiges Booklet von Ralf Schenk (DEFA Stiftung), Schuber, Wendecover, 209 Min.