Wir verfolgen die Idee …

einer lebendigen Gemeinschaft aus Leserinnen und Lesern, Autoren, Künstlern, Druckern und Büchermachern

  • mit einem vielseitigen Programm, das Raum für Endeckungen, Denkanstöße und Kreativität bietet,
  • in der jedes Buch ein besonderes Gesicht erhält,
  • die seit 1924 Standards setzt für herausragende Qualität in Gestaltung und Inhalt,
  • junge Künstler fördert und Kinder in der Leseförderung unterstützt,
  • deren Unabhängigkeit durch die Gemeinschaft aller Mitglieder gewahrt wird,
  • und ein Ort für Menschen mit Lust am Lesen, Hören, Sehen und Fühlen ist.

Der Wert der Gemeinschaft

Der Verleger der Büchergilde Gutenberg im Interview über die Büchergilde, über den Wert des Vertrauens und die Freiheit einer unabhängigen Buchgemeinschaft.

Was ist eigentlich das Besondere an der Büchergilde?

Wir nennen uns ganz bewusst Buchgemeinschaft, denn wir wollen ein Gemeinschaftsverhältnis mit unseren Mitgliedern, mit Illustratoren, Autoren oder Druckereien und Bindereien pflegen. Die Mitglieder, die sich bei uns melden, die schreiben oder anrufen, die empfinden dieses Gemeinschaftsgefühl genau so. Und das bringen sie auch immer wieder zum Ausdruck. Und das schließt das durchaus auch kritische Engagement unserer Mitglieder mit ein. Soziologen definieren den Begriff der „Gemeinschaft“ auch als eine Gemeinschaft des Geistes. So verstehe ich auch die Büchergilde und ihre Mitglieder. Daraus erwächst auch der Anspruch an das, was wir an Literatur verlegen, aber auch an das, was wir an Nachwuchsförderung machen.

 

Diese Idee der Gemeinschaft war ja bereits die Gründungsidee der Büchergilde.

Tradition schließt die Moderne nicht aus. Und der ganze Entwicklungsprozess der Büchergilde über nun fast 88 Jahre beweist das. Die Büchergilde hält an der Tradition fest, und das spiegelt sich wider im buchherstellerischen Handwerk und in den Inhalten, aber die Büchergilde verschließt sich nicht der Entwicklung in einer modernen Gesellschaft. Interessant ist, dass die Büchergilde trotz ihres bewegten Schicksals immer an ihren Werten festgehalten hat. Wir waren nie darauf aus, die Massengesellschaft zu bedienen, sondern waren seit der Gründung einem Bildungsauftrag, der Aufklärung und der Emanzipation verpflichtet. Wir wollen auch heute unseren Mitgliedern eine Qualität anbieten, die sich nicht einfach nach modischen Strömungen richtet. Und wir glauben, dass dies der richtige Weg ist.

 

Wie spiegelt sich das im Programm der Büchergilde wider?
Bis heute pflegen wir die Tradition des illustrierten Buches. Eine Doktorandin stellte in ihrer Arbeit über die Illustrierten Bücher der Büchergilde fest: „Büchergilde-Bücher sind bibliophil aber sie sind auch Gebrauchsliteratur“. Aber diese bibliophilen Ausgaben zu diesem Preis können wir nur durch die Gemeinschaft der Büchergilde-Mitglieder realisieren.

 

Zur Pflege des bibliophilen Buches gehört auch die Nachwuchsförderung durch den Gestalterpreis?

Es ist für uns sehr wichtig, jungen Künstlern alle 2 Jahre die Chance zu geben, in einem Wettbewerb ein Buch zu illustrieren. Ich erinnere mich noch an das erste illustrierte Buch, das in diesem Wettbewerb entstand: Ray Bradbury Fahrenheit 451. Katrin Stangl war damals die Gewinnerin. Und dieses Buch wurde von der Stiftung Buchkunst als eines der schönsten Bücher in Deutschland und als eines der 3 weltbesten Büchern ausgezeichnet. Und hier sind wir wieder bei der Tradition, die die Moderne nicht ausschließt, denn hier erschließen sich neue Sichtweisen von jungen Künstlern auf klassische Texte.

Eine weitere wichtige Verpflichtung sieht die Büchergilde in der Leseförderung.

Bei Entwicklungsländern sind wir sehr schnell dabei, die Alphabetisierung zu fordern, und gleichzeitig vernachlässigen wir innerhalb unserer eigenen Gesellschaft die Leseförderung. Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Wenn man weiß, dass wir uns 70-80% unseres Wissens nur über Lesen aneignen, dann hat sich der Bildungsauftrag der Büchergilde längst nicht erledigt und deshalb haben wir den Verein Die Welt des Lesens e.V. initiiert.

 

Sie haben auch eine Bitte an unsere Mitglieder.

Ja, wir wollen unsere Mitglieder zu diesem Gemeinschaftsverständnis befragen. Als ich zur Büchergilde kam, war das Engagement sehr groß. Die Freundschaftswerbung hat sehr gut funktioniert doch das hat etwas nachgelassen. Durchgesellschaftliche Veränderungen ist die Idee der Gemeinschaft in den Hintergrund gedrängt worden. Wir wollendiese Idee wieder beleben, und da setze ich auf das Engagement der Mitglieder, weil ich überzeugt bin, dass sie sichals Mitglieder einer Gemeinschaft mit Autoren, Künstlern, Buchhändlern, Druckern verstehen.

In früheren Zeiten gab es Vertrauensleute, und diese Vertrauensleute haben jedes Quartal innerhalb ihres  Kollegenkreises Bücher empfohlen. Das haben sie mit großem Engagement gemacht und dadurch zu dieser Gemeinschaft beigetragen.

Die Autorin Ulla Hahn beschreibt in ihrem letzten Roman, wie ein junges Mädchen im Elternhaus ihrer Freundin ganz viele Büchergilde-Bücher sah. Und bei diesem Anblick dachte sie: „Eigentlich müsste jeder Büchergilde-Mitglied sein“, und das finde ich natürlich auch.

 

Vertrauen klingt etwas altmodisch?

Ja, und Vertrauen ist auch nichts Altmodisches. Es ist der zentrale Begriff: Das Vertrauen der Mitglieder in uns und unser Vertrauen in die Mitglieder. Ohne dieses Vertrauen kann diese Gemeinschaft nicht existieren. Deshalb  versuchen wir dieses Vertrauen zu leben, und dazu gehört auch, offen für Kritik zu sein. Historisch gesehen gab es Werteverluste immer wieder, aber ich glaube, dass in der aktuellen gesellschaftlichen Situation solche Begriffe und Werte wieder neu an Gewicht gewinnen. Es besteht ein Bedürfnis nach Vertrauen im normalen Alltag – weg von der Ellbogen-Gesellschaft.

 

Wie wichtig ist es für die Büchergilde unabhängig zu bleiben?

Unabhängigkeit bedeutet immer und in jedem Fall Freiheit, Dinge zu tun und auch Risiken einzugehen, zum Beispiel bei Buchprojekten, die man sonst nicht wagen würde. Dazu gehört der Mut zur Innovation. Dies ist nur durch eine wachsende Gemeinschaft möglich. Es gibt dieses schöne Zitat von Descartes: „Ich denke, also bin ich“, und das würde ich gerne erweitern: „Ich denke, also bin ich – bei der Büchergilde.“