Titelbild: Orientreisen
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Mit Schwarz-Weiß-Abbildungen und einem Vorwort von Julia Finkernagel und einem Nachwort von Walter Fähnders, fester Einband, praktisches Reiseformat (12 x 19 cm), 152 Seiten, Einbandgestaltung von Clara Scheffler.

Preis für Mitglieder 18,00 €

Artikelnummer:
172550

Erschienen:
2021

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Inhalt

Vier Mal fährt Annemarie Schwarzenbach, die „unheilbar Reisende“, in den Orient. Es ist ein andauerndes inneres Treiben, das sie durch Anatolien bis zu den Ruinen von Persepolis führt, in orientalische Metropolen wie Bagdad oder Teheran, schließlich bis in die Wüsten Turkestans und die Höhen des Hindukusch. Schwarzenbachs Reisereportagen aus den Jahren 1933 bis 1940 berichten von einer versunkenen Welt und faszinieren bis heute durch ihre authentische, bildhafte Sprache und atmosphärische Dichte. Eine faszinierende Mischung aus historisch-politischen und erzählerischen Passagen vor dem Hintergrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs macht den Reiz und auch die Besonderheit dieser Reiseprosa aus.

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Kommentar von Karsten Koblo, aus-erlesen.de (01.05.2021)

„Annemarie Schwarzenbach wuchs nicht mit dem berühmten goldenen Löffel im Mund auf. Sie hatte einen ganzen Besteckkasten, ihre Familie zählte zu den reichsten der Schweiz. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählte sie nicht nur aufgrund dessen zu einer auserlesenen Elite, sondern einzig allein durch ihre Reisen und ihre darüber veröffentlichten Reportagen. Schon früh zog es die freiheitsliebende (und bei ihr ist es wirklich angebracht von Freiheit zu sprechen) in die Ferne. Mit der Familie gebrochen, sich offen zu ihrer Sexualität zu bekennen, sich gegen die Faschisten und ihre Ideologie zu stellen und die arabische, afrikanische, persische Welt zu erkunden. Vieles, was sie in ihren Reportagen beschrieb, ist heute so nicht mehr zu erleben. Man stelle sich vor – welch wunderbare Vorstellung! – die Buddha-Statuen von Bamiyan würden noch stehen. Oder mit einem Kleinflugzeug über die syrische Wüste zu fliegen und die Schakale aufzuscheuchen. Und das zu einer Zeit, in der Frauen als Alleinreisende in einem kaum erschlossenen Gebiet mehr Mut brauchten als heutzutage kurzgeschorene Europa am Hindukusch verteidigende Goldgräber. Es sind über 80 Jahre vergangen seit dem Annemarie Schwarzenbach ihre Reisen gen Osten unternahm. Vieles ist nicht mehr zu sehen. Sei es durch Zerstörung, sei es durch Bebauung, sei es durch den Zahn der Zeit. Doch sich ein stilles Plätzchen zu suchen, die Luft tief einzuatmen und diese Reiseimpressionen auf sich wirken zu lassen, hat einen höheren Lerneffekt als beim Discounter gebuchte Reisen in die Shoppingparadiese der glitzernden Malls zwischen Wüste und Golf. Mit einfachen Worten und bildhafter Sprache zieht Annemarie Schwarzenbach den Leser in eine Zeit, die nicht mehr zurückzuholen ist. Die Türkei zum Beispiel befindet sich seit ein paar Jahren im größten Umbruch, den man sich vorstellen kann. Schrift und Sprache werden einer Radikalkur unterzogen. Dennoch gibt es vieles, was heute noch zu besichtigen ist und mit den Worten der Autorin im Hinterkopf, erkennt man vielleicht manches, was einem sonst verborgen geblieben wäre. Isfahan im Iran mit seinem markanten Meidān-e Naqsch-e Dschahān fasziniert sie damals und wirkt bis heute auf den Betrachter wie ein unwirklicher Traum. Annemarie Schwarzenbach trieb es in Ferne, nicht um anderen etwas zu beweisen. Sie wollte selbst die Welt entdecken und erleben. Unabhängig sein und die Welt an ihren Abenteuern teilhaben lassen. Ihr gelang es mit Bravour, wie dieses Buch eindrucksvoll beweist. Leider war ihr Leben nach zu kurzer Zeit zu Ende. Sie starb im Alter von 34 Jahren nach einem Unfall und den Folgen einer falschen Behandlung.”

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