Titelbild: Die Zeichnungen
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Ausgabe C.H. Beck. Herausgegeben von Andreas Kilcher, unter Mitarbeit von Pavel Schmidt, mit Essays von Judith Butler und Andreas Kilcher, 229 farbige Abbildungen, Leinen, 368 Seiten.

in Vorbereitung

Artikelnummer:
700673

Erschienen:

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Inhalt

Dass im Jahr 2019, 95 Jahre nach seinem Tod, über 100 praktisch unbekannte Zeichnungen Franz Kafkas das Tageslicht erblickten, verdankt sich einer geradezu abenteuerlichen Geschichte. Kafkas Freund Max Brod hatte schon zu Lebzeiten Kafkas dessen außerordentliches Zeichentalent erkannt. Während Kafka nach seinem Tod auch seine Zeichnungen vernichtet wissen wollte, rettete Brod sie zusammen mit dem literarischen Nachlass. 1939 floh er mit Kafkas Zeichnungen und Manuskripten im Gepäck vor den Nationalsozialisten nach Palästina und rettete sie so ein zweites Mal. Doch als Israel 1956 durch die Suezkrise bedroht wurde, deponierte Brod Kafkas Nachlass in vier Safes einer Zürcher Bank – wo der größte Teil der Zeichnungen für die nächsten 63 Jahre bleiben sollte.

Einzelne Zeichnungen hatte Brod schon seit den späten 30er Jahren immer wieder veröffentlicht und damit auch Erwartungen an diesen bis dahin unbekannten Teil von Kafkas Werk geweckt. Alle weitergehenden Pläne lehnte er jedoch ab, neben anderen Gründen deshalb, weil er seine Zeichnungen Kafkas zusammen mit Manuskripten wie der Handschrift des Processes schon zu Lebzeiten seiner Sekretärin Ilse Ester Hoffe geschenkt hatte, auch wenn er weiter über sie verfügte. Seit den 1950er Jahren bemühten sich verschiedene Verlage um die Veröffentlichung von Kafkas unbekannten Zeichnungen, scheiterten aber stets an Brods Zurückhaltung, nach dessen Tod 1968 auch am Widerstand von Ilse Ester Hoffe.

Als diese schließlich 2007 im Alter von 101 Jahren starb, entbrannte ein Rechtsstreit um die Teile von Kafkas Nachlass, die sich noch in ihrem Besitz befanden. Erst 2019 wurde der Fall endgültig zugunsten der israelischen Nationalbibliothek entschieden. Dort befinden sich seither die Zeichnungen Kafkas, die hier zum ersten Mal veröffentlicht werden.

Erst 2019 tauchten über 100 Zeichnungen von Franz Kafka auf, die jahrzehntelang in einem Zürcher Banksafe unter Verschluss gehalten wurden: eine Sensation. Denn bislang kannte man nur wenige Zeichnungen des weltberühmten Schriftstellers. Es sind Bilder von kaum zu widerstehender Anziehungskraft. Kafkas künstlerische Ambitionen und sein außergewöhnliches Talent lassen sich erst mit den neuen Funden ermessen. Hier werden sie erstmals, zusammen mit den schon bekannten Blättern, veröffentlicht. Vor allem in seinen frühen Jahren, zwischen 1901 und 1907, hat Kafka intensiv gezeichnet. Ein ganzes Heft mit Zeichnungen ist jetzt neben Dutzenden von Einzelblättern zu Tage getreten. Es sind fragile, haltlose und zugleich rätselhaft faszinierende Gestalten, die einem hier begegnen. Kafkas Zeichnungen kippen vom Realistischen ins Phantastische, ins Groteske, manchmal auch Unheimliche oder Karnevaleske. Zusammen machen sie einen zweiten Kafka neben dem Schriftsteller sichtbar. In diesem Band mit seinen brillanten Reproduktionen und erhellenden Erläuterungen ist er zum ersten Mal vollständig zu entdecken.

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