Der Pendragon Verlag

 

 

Die Büchergilde ist Mitglied im Freundeskreis der Kurt Wolff Stiftung zur Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene. Von herausragenden Verlagen aus dem Kreis der Stiftung wählen wir regelmäßig Titel für Sie aus, um die Arbeit der Unabhängigen zuwürdigen. Ein Gespräch mit Günther Butkus über seinen Pendragon Verlag.

 

 

Sie haben den Verlag vor beinahe 35 Jahren in Bielefeld gegründet, seit 1981 sind über 700 Bücher erschienen. Welcher Kriminalroman hat Ihre Begeisterung für das Genre geweckt und welches war Ihr erstes Buch im Programm?


Als Leser hat Der große Schlaf von Raymond Chandler meine Leidenschaft geweckt. Ein Buch, das mich immer noch stark beeindruckt. Der erste Pendragon-Titel war 1981 der Gedichtband Ganz leise sein beim Abschied von Bernd Stegemann. Knapp zwanzig Jahre später, 2002, habe ich den ersten Krimi verlegt: Shaft und das Drogenkartell von Ernest Tidyman. Shaft lernte ich in einer Phase kennen, in der die Entwicklung des Verlags etwas ins Stocken geraten war. Während eines Urlaubs in Wien habe ich in einem Antiquariat sechs vergriffene Ullstein-Bände aus der Shaft-Serie entdeckt. Das war für mich die Initialzündung dafür, als Verleger etwas Neues zu versuchen. Ich habe mir die Rechte an allen sieben Shaft-Romanen gesichert und in deutscher Neuübersetzung herausgebracht.

 

 

Welche Zutaten benötigt ein Krimi, um hierzulande erfolgreich zu sein?


Ein Autor muss über eine schöne Sprache verfügen, eine gute Geschichte spannend erzählen, alle Fäden zusammenhalten und glaubhafte Figuren entwickeln. Man will schon mit dem ersten Satz in den Krimi reingezogen werden, die Hauptfigur muss durch die gesamte Geschichte tragen und am Ende muss man als Leser einen kurzen Moment enttäuscht sein, weil man gerne länger Teil der Geschichte gewesen wäre.

 

 

Kürzlich hieß es im Buchreport: „Die deutsche Kriminalliteratur kann mehr als nur regional und brutal.“ Was unterscheidet die Bücher von Blettenberg, Kollender oder Achten von einem Titel von James Lee Burke?


Die deutsche Krimiliteratur hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm entwickelt. Ich kann mich noch gut an die frühen 80er Jahre erinnern. Damals war der Markt überschaubarer und bestand im Wesentlichen aus Reihen bei Ullstein, Rowohlt, Heyne und Goldmann. Außerdem war das Genre stark von Detektiv- und Polizeiromanen geprägt. Nicht nur die sprachliche Qualität der europäischen und damit auch deutschsprachigen Krimis hat sich intensiv weiterentwickelt. Wer gerne moderne deutschsprachige Literatur liest, kann zu einem Roman von Klaus Modick oder einem Kriminalroman von Friedrich Ani, Andreas Kollender oder Willi Achten greifen. James Lee Burke schreibt großartige Südstaaten-Romane, die natürlich in einer ganz anderen Tradition stehen. Deutsche Leser reizt die flimmernde Atmosphäre der amerikanischen Landschaft, die Burke meisterhaft beschreibt. Doch auch für seine Romane gilt: Sie sind eindeutig Krimis und gleichzeitig eindeutig Literatur.

 

 

Im letzten Jahr ist bei Pendragon Stefanie Greggs Duft nach Weiß erschienen, ein Roman über den Ost-West-Konflikt zu Zeiten des Eisernen Vorhangs. Mit dieser Sparte haben Sie das Programm Ihres Verlags nochmals erweitert.


Nicht ganz, Pendragon kommt ursprünglich aus der Literatur. Sie war am Anfang der Programmschwerpunkt, Krimis kamen erst später hinzu. Da unser Verlagsprogramm klein ist und klein bleiben soll, das Krimisegment aber ein starkes Profil benötigte, um sich im Markt behaupten zukönnen, habe ich für einige Jahre die Literatur zurückgefahren und mich fokussiert. Und der Erfolg gab uns Recht: 2004 wurde Berlin Fidschitown von D.B. Blettenberg mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet, 2012 Wer das Schweigen bricht von Mechtild Borrmann. Diese starken literarischen Krimis zeigen, wie fließend die Grenzen zur Literatur sind. Und Duft nach Weiß beweist, das dies auch umgekehrt gilt.

 

 

Wir danken sehr herzlich für das Gespräch!