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Kommentar von Stefan Reeg | 03.04.2022

Ich muss gestehen, das war der erste Roman von JZ, den ich gelesen hatte. Ich habe schon seit langem ein Faible für BB, MVP und die anderen nördlicheren "neuen" Bundesländer. Man liest sich schnell in das neue Buch von ihr rein: aktuelle Bezüge zur Corona-Lage des Jahres 2020 und der hohen Nazi-Dichte gerade in diesen BL. Was mir gefällt, waren die tollen Schilderungen ihrer Stadtflucht aufs platte Land, die Gründe dafür und das herausfordende Ankommen im fiktiven Örtchen Bracken, immerhin mit der RB vom Berliner hauptbahnhof zu erreichen. Aus dem Fremdeln am Anfang wird ein komplizierter Prozess des Näherkommens mit den teilweise schrägen Nachbarn - voran der Dorf-Nazi Gote. Polternd, anmaßend, übergriffig und doch nach dramatischen Ereignissen fast ein Freund geworden. Dies und die Beziehung seiner Tochter zu Dora, der Berliner Werbetexterin, die aus einer Trennungssituation heraus nach Bracken geflohen ist, wirkt manchmal etwas plakativ, etwas klischeebetont, etwas vorhersehbar. Aber was soll's: ein köstlicher Roman nicht nur über Städter, die raus wollen, oder über schräge Dorftypen. Sondern auch ein Buch über eigene Ängste, Vorurteile und die eigene Vorstellung in den Mittelpunkt als allgemein gültiger Wahrheit zu stellen: "Fest steht, dass alle Ängste haben und dabei meinen, dass nur die eigene Angst die richtige sei. Die einen fürchten sich vor Überfremdung, die anderen vor der Klimakatastrophe. Die einen vor Pandemien, die anderen vor der Gesundheitsdiktatur. Dora fürchtet, dass die Demokratie am Kampf der Ängste zerbricht." Interessant auch der Kontrast zu B Schlinks letztem Buch "Die Enkelin" - da kommen die Nazis und "Übermenschen" in Brandenburg und MVP nicht so gut weg.

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