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Kommentar von Heinz Kischkel | 24.01.2019

Toni und Moni. Anleitung zum Heimatroman, ist nicht nur kein Heimatroman, sondern überhaupt kein Roman im konventionellen Wortsinn. Die beiden herzigen Nachbarskinder gedeihen im idyllischen Schöngraben an der Rauscher, das es so nur in Österreich gibt, so ähnlich aber fast überall geben könnte. Schon als Kinder spielen sie Hochzeit und Papa-Mama-Kind. So ist es auch vereinbart zwischen der Autorin Petra Piuk und der Verlagslektorin Tanja. Doch die Autorin hält sich nicht an die Vorgabe und zerrt den gesammelten Unrat, der sich unter der Schöngrabener Idylle versteckt, ans Tageslicht. Am Ende will die Moni sogar ohne ihren Toni raus aus Schöngraben. Die Lektorin sieht sich gezwungen, in fast fünfzig Fußnoten diverse Scharmützel mit der Autorin zu führen, um das verabredete happy end doch noch zustande zu bringen.
Die Textcollage in der Summe einen zweifellos avantgardistischen Roman. Das Aufbegehren gegen die gesellschaftlich gedeckte Gewalt gegen Frauen und alles Schwache wird kombiniert mit einem großartigen Sinn für absurde Metatexte, wie ich sie derart grandios lange nicht mehr gelesen habe. Hinzu kommen zahlreiche witzige Einfälle, so hat sich die Moni beim „Figurencasting“ gegen die Vroni durchgesetzt. Einen feinen Seitenhieb bekommt auch der fragwürdige Volks-Rock’n Roller Andreas Gabalier ab. Piuk schreibt ganz große, eigenwillige, bitter-komische Literatur, wie ich sie ähnlich nur selten und so überhaupt noch nicht gelesen habe.

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