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Kommentar von Dr. Gregor Ciemnyjewski | 08.07.2011

Heinrich Mann bezeichnet zu Beginn seines Untertans Diderich Heßling als weiches Kind. Im weiteren Verlauf zeigt er dann auf, wie aus diesem weichen Kind in Reaktion auf seine wilhelminische Umgebung ein Untertan, ein „Teufel“ wird. Und jeder Leser versteht, warum das so und nicht anders geschieht. Bei Sartre bleibt hingegen alles beliebig. Ich habe zum Beispiel nicht begriffen, warum Lucien dem Nihilistismus verfällt und nicht etwas anderem. Dieses wenig Zwingende bei Sartre hat wahrscheinlich seinen Ursprung darin, daß Sartre Lucien weitgehend charakterlos läßt. Etwas Vergleichbares wie Diderichs Weichheit ist bei Lucien nicht ausfindig zu machen. Auch sein Umfeld bleibt „charakterlos“. Nichts mit dem Wilhelminismus Vergleichbares ist zu entdecken. So bleibt irgendwie der Eindruck des Beliebigen. Es gibt noch andere Schwächen (wie hier das Entstehen eines Antisemitismus erklärt wird, ist schon kurios), die ich hier nicht weiter ausführen will. Aber andererseits ist der Text für an psychologische Entwicklungsgeschichten Interessierte durchaus lesenswert – falls man nichts Besseres zur Hand hat.

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