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Kommentar von Wolfram Haug | 17.11.2015

Was als „wichtigster Roman des Bücherherbstes“ (2014) angesagt ist …. nun, wie immer bei solchen Zuweisungen (von Paris Match, Wochenillustrierte in Frankreich) kommt man unweigerlich an einer Entscheidung nicht vorbei: es von vorneherein als eine lokalpatriotische Übertreibung (Karine Tuil ist Französin) anzunehmen und nicht zu lesen, oder der Lobpreisung nachzugehen und sich mit einem „warum eigentlich nicht“ auf die Entdeckungsreise zu begeben.
Habe mich denn auch zur Reise aufgemacht, die Schicksalskreuzungen der drei Hauptpersonen nachzuvollziehen …. ein zügiger Erfindungsromanbeginn, wobei die Hauptlinie in der Handlung – Aufzeigen von Gesellschaftshandeln in der Gegenwart (z.B. Wohlstandstaktisches Kalkül bei der Auswahl des Ehepartners; Erfindung und Manipulation der eigenen Biographie) - spannend und mit gutem Zug Fahrt aufnehmen.

Vermutlich bleibt es auch, falls diese Ausrichtung durchgehalten wird, ein kurzweiliges Lesevergnügen. Ich muß das so kommentieren, denn für mich war es das nach 113 Seiten nicht mehr. Natürlich „selbstverschuldet“, denn ich war außerstande weiterzulesen, nachdem mich drei ganz kurz hintereinander vorkommende, gleichlautende und dabei höchst oberflächliche Beschreibungen , die damit vor allem völlig nichtssagend wurden, das Buch aus der Hand katapultierten.
Die Passagen: Samir erhält eine SMS von Nina, und „er verliert den Boden unter den Füßen, er versinkt“ ; kurz danach dann, nur ein paar Takte weiter: „Doch wenn er nur daran denkt, Nina wiederzusehen, bekommt er Herzklopfen. Seine Hände flattern , er fängt an zu stammeln, das kennt er gar nicht von sich. Er verliert den Boden unter den Füßen.“ Kurz darauf
„eilt er entschlossenen Schrittes durch den Gang, als er eine Frau von hinten sieht, die ihn an Nina erinnert, zieht es ihm wieder den Boden unter den Füßen weg“.

Hmmmm! Tja und dann war bei mir auch der Boden weg ….. der Boden, der sich Anspruch an Literatur und sprachliches Vermögen nennt, der es erlaubt Vorgänge in der Psyche eines bestimmten Charakters und seine Verfassung in emotionalen Situationen mit Tiefgang zu schildern.
Schade, das Sujet des Buches hätt mich weiter interessiert …. ging aber nicht mehr.

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