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Kommentar von Stefan Reeg | 19.05.2022

Nachdem ich vor einiger von AW "Den amerikanischen Architekten" gelesen und für gut befunden hatte, kaufte ich das neuere Buch, welches auch einen engen Bezug zu 9/11 hat: die Vergeltungsaktionen der US-geführten Allianz gegen die Taliban in Afghanistan. Ein junges College-Mädchen (mit afghanischen Wurzeln) kommt voller Idealismus in ein kleines Dorf im Norden, wo ein Amerikaner einige Jahre zu eine Frauenklinik aufgebaut hatte; sie will dort anthropologsiche . Das Buch hat einen guten Kern oder ein gute Absicht, sowohl die Hintergründe für die amerikanische Intervention zu analysieren, darüber hinaus jedoch allgemeingültige Prinzipien, wie Wahrheit, Authentizität oder Ehrlichkeit ebenfalls zu hinterfragen. Doch Parvin, so heißt die junge College-Absolventin und Protagonistin, stampft von einem Fettnapf in den anderen - naives "Gutmenschen"-Tun wird von der Autorin unreflektiert und undistanziert über viele Seiten ausgebreitet. Wenn ich etwas übertreibe: es liest sich wie "Hanni & Nanni in Afghanistan". Sicher, die Schilderungen des sehr einfachen Lebens im Dorf, des archaischen Verhältnisses zwischen Männern und Frauen und der aufgedeckte Betrug rund um die Gründung der Frauenklinik sind abwechslungsreich geschrieben, aber es bleibt ein fader Nachgeschmack über den sehr einfachen Schreibstil von AW. Im Vergleich zur deutlich facettenreicheren Geschichte im "Amerikanischen Architekten" fällt dieses Buch für mich sehr stark ab.

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