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Kommentar von Peter Schwab | 21.08.2020

Natürlich geht es um diesen rätselhaften Fisch in Patrik Svenssons literarischem Essay "Das Evangelium der Aale". Doch der Autor schreibt über soviel mehr. Er erzählt die Forschungsgeschichte zum Aal und umreißt damit eine kleine Historie der Erkenntnisgewinnung. Er erklärt naturwissenschaftliche Zusammenhänge sowie alte Traditionen und appelliert mit zahlreichen Beispielen an unsere Vernunft, mit der Umwelt sorgsamer umzugehen.

Das allein wäre aber ein zu abgegriffener Ansatz. Der Aal bietet Svensson Anlass für einen kleinen Streifzug durch die Geistesgeschichte. Wichtigste Geistesgrößen sind selbsternannte Aal-Versteher. Und keiner dieser großen Geister ist wirklich schlau aus diesem Fisch geworden. Svensson meditiert über das Streben nach Erkenntnis und den Trost des Glaubens, denkt über die Wahrnehmung des Menschen nach, über Vor- und Nachteile der Vermenschlichung unserer Tiervorstellung und das Todesurteil, das die Entdeckung von seltenen Tierarten durch den Menschen oft bedeutet.

Und Svensson schreibt die Geschichte seines Vaters auf, dessen Leben von harter Arbeit und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt war, die im Nachkriegsschweden sozialen Aufstieg für alle ermöglichte. Angeltechniken bestimmen die Vater-Sohn-Beziehung, die Svensson plastisch erzählt. Der Aal begleitet Svensson auf dem Weg zum erwachsenen Mann. Dieses Lebewesen, dem selbst die Pfanne die Lebensgeister kaum nicht austreiben kann, eignet sich bestens, um über Leben und Tod zu sinnieren.

Für all das bietet der Aal das erzählerische Scharnier. Die Fisch-Passagen treiben die Geschichte voran und wirken ein bisschen wie ein Wissenschaftskrimi. Der Aal entzieht sich dem menschlichen Forscherdrang - als ob wir Menschen unsere Fragen in der falschen Sprache formulierten. Noch immer liegen viele Geheimnisse des Aals im Dunkeln. Hätten Sie's gewusst? Eine lohnende Lektüre.

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Kommentar von Buchlandung_in_Muenchen | 01.10.2020

Frei nach Loriot: „Ein Leben ohne Aal ist möglich, aber sinnlos.

Tolles Buch, um sich mal mit einem Tier zu beschäftigen, dass so faszinierend und doch noch so unerforscht ist.

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