Joseph Beuys (1921–1986)
erlitt im Zweiten Weltkrieg bei einem Kampffliegereinsatz schwere Verwundungen. Nach dem Krieg studierte er Malerei und Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf, ab 1953 folgten Ausstellungen. Von 1961 bis 1972 lehrte Beuys als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. 1971 gründete er die „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“, 1973 die „Freie Internationale Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung“.
Wolfgang Storch,
geboren 1943, Autor, Dramaturg, Regisseur, Kurator, Herausgeber- und Lehrtätigkeit, lebt in Volterra.
Hiermit trete ich aus der Kunst aus
Joseph Beuys / Wolfgang Storch (Hrsg.)
Die Sammlung vereint Texte von und Gespräche mit Joseph Beuys, die durch die politischen Auseinandersetzungen der 1960er- und -70er-Jahre führen und Antworten auf seine Arbeiten geben.
Mit einem Vorwort von Wolfgang Storch, bedruckte Flexbroschur aus 100% Recycling-Papier von Gmund Papier, Kopffarbschnitt, 160 Seitener.
NR 172704 | 22.00 €
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Klaus Staeck (Hrsg.) / Gerhard Steidl (Hrsg.)
Fotos einer achtzehnjährigen Freundschaft: Künstler Joseph Beuys, Grafiker Klaus Staeck und Drucker und Verleger Gerhard Steidl.
NR 70024X | 45.00 € |
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Joseph Beuys / Klaus Staeck (Hrsg.) / Gerhard Steidl (Hrsg.)
Lange verschollen: Joseph Beuys‘ gesammeltes Lachen.
NR 226699 | 30.00 € |
2021 ist das Jahr von Joseph Beuys' 100. Geburtstag. Viele Ausstellungen in Deutschlands Museen widmen sich aktuell diesem außergewöhnlichen Künstler.
Entdecken Sie Ausstellungen und Veranstalungen rund um das Motto "Beuys 2021".
DER MANN MIT HUT UND WESTE, FETT UND FILZ
Joseph Beuys / Wolfgang Storch (Hrsg.)
Hiermit trete ich aus der Kunst aus
Joseph Beuys' Werke bleiben bis heute für viele unverständlich. Der von Wolfang Storch herausgegebene Band Hiermit trete ich aus der Kunst aus versammelt Vorträge, Aufzeichnungen und Interviews – und lässt den politisch engagierten Künstler seine Intentionen selbst erklären.
Beitrag von Julia Schmitz
„Ist das Kunst oder kann das weg?“ lautet ein geflügeltes Wort, das gerne eingesetzt wird, wenn man als Betrachter wenig bis gar nichts mit einem Kunstwerk anfangen kann. Oder es gar nicht als ein solches erkennt: Als der Hausmeister der Kunstakademie Düsseldorf 1986 – nur wenige Monate nach dem Tod von Joseph Beuys – fünf Kilo Butter aus einer Zimmerecke entfernen ließ, die der Künstler vier Jahre zuvor dort angebracht hatte, tat er dies nicht aus Perfidie. Er hatte einfach den Geruch nach ranzigem Fett nicht weiter ertragen wollen.
Beuys, wäre er noch am Leben gewesen, hätte womöglich darüber gelacht. Schon 1973 war eine von ihm in einer Galerie aufgestellte Badewanne nach der Performance für den Abwasch der Gläser genutzt worden. Ist nicht auch die diese Art der unabsichtlichen Intervention Kunst – und sowieso jeder Mensch ein Künstler?
Doch auch wenn eine Packung Butter in den Augen der meisten Menschen nicht per se als Kunstwerk durchgeht, nutzte der 1921 geborene Beuys das Material – ebenso wie Filz – seit den frühen 1960er-Jahren immer wieder für Skulpturen. Er wollte damit die gängige Definition der Plastik hinterfragen: Warum müssen Skulpturen im klassischen Kunstbetrieb eigentlich immer auf einem Podest stehen, und warum kann man dieses nicht entfernen, oder noch besser, nur den Sockel stehen lassen und mit Bedeutung aufladen? Sein Sockel, das waren Performances und Happenings in Galerien und an öffentlichen Orten; mal kam dabei ein toter Hase zum Einsatz, mal ein lebender Kojote. Im Rahmen der documenta 7 1982 pflanzte er 7 000 Bäume in Kassel.
„Jeder Mensch ist im Grunde ein Künstler. Anders kann man ihn nicht definieren.“
Joseph Beuys aus: Hiermit trete ich aus der Kunst aus
Dass seine sozialen Skulpturen dennoch nicht immer für jeden verständlich waren, war ihm bewusst. Auf die Frage eines Journalisten im Jahr 1968, ob seine Werke eine Interpretation bräuchten oder für sich allein stehen könnten, antwortet er: „[...] weil heute schon die Kinder im naturwissenschaftlich-positivistischen Materialismus erzogen werden, liefere ich Theorie und Begriffe mit. Ein begabter Mensch aber versteht spontan.“ Viele seien aber diesbezüglich nicht mehr begabt, scheint er überzeugt, als er in einem weiteren Interview vier Jahre später proklamiert, den meisten seien „die Erlebnisorgane [...] schon abgestorben“. Er plädierte deshalb für eine umfassende künstlerische Erziehung des Menschen, die ihn auch zur „politischen Produktivkraft“ mache. Eine These, die er selbst lebte, als er Gründungsmitglied der Partei „Die Grünen“ wurde.
Wer war Joseph Beuys und was wollte er uns sagen? Wolfgang Storch hat auf knapp 170 Seiten Reden, Katalogtexte und Telefongespräche von und mit dem Rheinländer zusammengestellt, die ihn als wortgewandten Theoretiker charakterisieren. Nur am Rande kommt dabei seine Vergangenheit im Nationalsozialismus zur Sprache; ebenso die Behauptung, er sei nach seinem Absturz in einer Maschine der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg von Tataren aufgenommen und gegen die Kälte in Fett und Filz gewickelt worden. Das liegt jedoch weniger an der Textauswahl des Herausgebers, der Letzteres im Vorwort auch als längst widerlegt klarstellt, sondern an dem hartnäckigen Festhalten Beuys' an seinem selbst erschaffenen Mythos.
Wie relevant sind die Werke und Thesen dieses eigenwilligen Künstlers, der die Kunst demokratisieren wollte und im Mai 2021 100 Jahre alt geworden wäre, noch für unsere heutige Gesellschaft? Wer dieses Buch liest, wird feststellen: Beuys ist brandaktuell.