Corinna Huffman

"Die Büchergilde wieder in die Hände ihrer Mitglieder legen"

 

Fünf Fragen an Corinna Huffman – neu im Vorstand der Genossenschaft


Du gestaltest seit nunmehr 20 Jahren das Programm der Büchergilde, seit dem 1. Juli bist Du auch Vorständin in der Genossenschaft: Was hat Dich motiviert, Dich dort zu engagieren?

Kurze Antwort? Meine Leidenschaft für die Büchergilde und mein Interesse an ihrem Fortbestand. Längere Antwort: Ich habe großen Spaß daran, Menschen für unsere Bücher und das Programm der Büchergilde zu begeistern. Aber die Büchergilde bzw. die Genossenschaft sind noch so viel mehr. Und diese Idee inhaltlich voranzutreiben und nach außen immer sichtbarer zu machen, ist derzeit eine der unmittelbarsten Aufgaben. Es ist mir ein großes Anliegen, hier nach Kräften mitzuhelfen und all die Erfahrungen und Kontakte, die ich in den letzten zwei Jahrzehnten erworben habe, einzubringen.

 

Welche neuen Aufgaben bringt der Vorstandsposten mit sich?

Vor allem natürlich, neue Genossen und Genossinnen zu gewinnen und mir Gedanken zu machen, auf welchen Wegen das geschehen kann – und diese Wege dann zu gehen. Das betrifft viel Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerken, abteilungsübergreifende Projekte, Ideen und Kooperationen zu entwickeln und viel rechnen.

 

Warum trifft das Genossenschaftsmodell heute wieder den Zeitgeist und wieso passt es so gut zur Büchergilde?

Bei aller Individualisierung heutzutage, haben die Menschen doch nie wirklich das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Austausch mit Gleichgesinnten verloren. Der Erfolg von Facebook, Instagram, Crowdfunding & Co. bezeugt das. Mit anderen eine Idee oder eine Unternehmung zu unterstützen oder überhaupt erst zu ermöglichen, ist sehr demokratisch, Teilen und Teilhaben, das Engagement für etwas Gutes. Diese Bedürfnisse und Werte sind hochaktuell und finden sich im Modell einer Genossenschaft. Die Büchergilde wieder in die Hände ihrer Mitglieder und Freunde zu legen, ist nur konsequent, denn aus denen ist sie ja 1924 beim Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker hervorgegangen.

 

Du bist seit 1998 im Verlag tätig. Wie kam es seinerzeit dazu? Und was hat sich in den letzten 20 Jahren verändert?

Ich war vorher in einem Verlag in der Nähe von Nürnberg tätig und wollte mich aus verschiedenen Gründen in jenem Jahr ins Rhein-Main-Gebiet verändern. Bei der Recherche der hiesigen Verlagslandschaft stieß ich auch auf die Büchergilde und hab mich ganz klassisch „blind“ beworben - zum richtigen Zeitpunkt: Es war gerade eine Lektoratsstelle zu besetzen, und ich hatte das Glück, „erwählt“ zu werden ...

Was sich seither verändert hat, sprengt eigentlich dieses Interview: Die Loslösung von der Gewerkschaft,  die zunehmende eigenverlegerische Tätigkeit, die Etablierung von Essay- und Gestalterpreisen zur Förderung des Nachwuchses, der Ausbau des Buchhandelsnetzes, ein Auf und Ab in der Mitgliederentwicklung, die Zentralisierung des Buchmarktes durch Amazon und Co. sowie neue Herausforderungen durch die Digitalisierung, die wachsende Bedeutung Sozialer Netzwerke etc. und nicht zuletzt: die Umwandlung der Büchergilde in eine Genossenschaft.

 

Wohin wird die Reise der Büchergilde gehen? Was kann jedes einzelne Mitglied tun? Was kann man als Genosse erreichen?

Die Büchergilde wird in vier Jahren 100 Jahre alt. Unsere Reise führt in die Zukunft mit den Werten der Gründerväter im Gepäck, mit Büchern „voll guten Geistes und von schöner Gestalt“, und mit zeitgemäßem Proviant: politischem Engagement, modernem Service, nachhaltiger Produktion, Nachwuchsförderprojekten. Jedes Mitglied, das von uns überzeugt ist, ist ein Botschafter für unsere Kulturgemeinschaft. Aktiv am Büchergildengeschehen teilzuhaben und so tatkräftig wie möglich weitere Mitglieder zu werben, wäre unser größter Wunsch und ist Voraussetzung dafür, unser Ziel, das Fortbestehen der Büchergilde für noch mindestens weitere 100 Jahre, zu erreichen. Das gilt für Genossen ganz ähnlich. Unsere Genossen und solche, die es werden wollen, unterstützen unsere Arbeit finanziell und machen so manches Projekt auf diese Weise erst möglich, können außerdem mit Ideen und Fragen und eigenem Engagement auch Einfluss auf ihre Genossenschaft nehmen. So finde ich es zum Beispiel wunderbar, dass ein Genosse nun einer alten Tradition folgend als Fahrer des Bücherbusses mithilft, die Büchergilde an vielen wechselnden Orten zu präsentieren