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Erschienen 2006
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Dines, Alberto
Tod im Paradies
Die Tragödie des Stefan Zweig

Stefan Zweig, Pazifist und international gefeierter Autor, verließ angesichts der drohenden Kriegsgefahr 1934 Österreich und emigrierte dann 1940 von England nach Brasilien. Dort glaubte er, das Paradies zu finden. Doch warum verkehrten sich seine Hoffnungen bald ins Gegenteil? Was geschah während jenes Karnevals, der seinem Selbstmord voraus ging? Was waren die Motive für Stefan Zweigs Freitod?
In Tod im Paradies übernimmt Alberto Dines die Rolle eines sorgfältigen Reporters, sensiblen Schriftstellers, erfahrenen Historikers und aufmerksamen Psychologen. Kritisch und mitfühlend zugleich zeichnet er das Porträt eines Humanisten, der sich den Anforderungen seiner Zeit nicht gewachsen sah. Er dokumentiert mit besonderer Ausführlichkeit die letzten Lebensjahre des Schriftstellers in Brasilien, beschreibt dessen Liebe zu diesem Land und die beiderseitigen Missverständnisse, die zu einem tragischen Ende führten.
Die Ursachen der Entwicklung von der zunächst überschwänglichen Verliebtheit in dieses Land nach Zweigs erster Brasilienreise bis zur allmählichen Enttäuschung und Vereinsamung sind vielschichtig. Dines’ Einfühlungsvermögen lässt den Leser die Tragödie dieses Todes in ihrem ganzen Ausmaß erfahren. Der Entschluss zum Selbstmord des österreichischen Autors wird in seiner Tragweite vielleicht nie gänzlich zu verstehen sein, doch Dines trägt mit den neu recherchierten Erkenntnissen zu einem umfassenderen Gesamtbild bei.
Das Buch machte in Brasilien bei seinem Erscheinen 1981 nicht zuletzt deshalb Furore, weil Alberto Dines hierin als einer der ersten den Antisemitismus und die opportunistische Haltung des Vargas-Regimes anklagte. Die vorliegende Übersetzung ist eine Überarbeitung der bereits erweiterten 3. Auflage der brasilianischen Ausgabe und berücksichtigt neue Quellen und Zeitzeugenberichte.

Alberto Dines, geboren 1932 in Rio de Janeiro, ist Filmkritiker und Drehbuchschreiber. Er gehört zu den namhaftesten Journalisten Brasiliens und ist Autor zahlreicher Fach- und Sachbücher. Dines ist Gründer und Redakteur von „Observatório da Imprensa“ (wörtl. Beobachtungsstelle der Presse) und Präsident der Gesellschaft „Casa Stefan Zweig“, die sich um die Einrichtung eines Museums in Petrópolis bemüht. 2005 wurde er in Brasilien mit dem Prêmio Imprensa Estrangeira als „Persönlichkeit des Jahres“ ausgezeichnet. Für die Zweig-Biographie erhält er 2007 den Austrian Holocaust Memorial Award.

"Dies ist nicht nur ein dickes, sondern auch ein großes Buch, in dem der Fanatismus des Details, Kennerschaft, Liebe, kritischer Respekt und souveränes Urteil eine überzeugende Verbindung eingegangen sind."
NDR Kultur

Aus dem Portugiesischen von Marlen Eckl unter Mitwirkung von Marita Buderus-Joisten
Mit 60 Schwarzweiß-Fotos
Geprägter Leineneinband mit Schutzumschlag, 728 Seiten

 
Lesermeinungen
Bewertung von
  Paul Huebscher
Glattbrugg, 30. Dezember 2006
Stefan Zweig und Brasilien - eine unglückliche Liebe
Alberto Dines hat mit „Tod im Paradies“ wohl die zur Zeit aktuellste Biografie über Stefan Zweig geschrieben: 750 Seiten dicht gepackter Information. Seine Argumentation ist schlüssig, sein Stil liest sich flüssig. Zitate und Behauptungen sind belegt – sprich: eine fundierte Biografie, wie man sie sich wünscht.

Der Schwerpunkt des Buches liegt dort, wo es auch schon der Titel vermuten lässt: bei Stefan Zweigs Jahren in Brasilien. Der Autor – selber Brasilianer und Jude – bringt Informationen über Brasilien zu Beginn der Vargas-Zeit, als das Land gerade in eine Diktatur schlitterte, den estado novo, der den Diktaturen von Mussolini in Italien, von Franco in Spanien, von Salazar in Portugal nachgestaltet war. Tendenziell antisemitisch also, und wäre das Kriegsglück auf Seite der Achsenmächte gestanden, hätte diese Tendenz wohl auch noch ganz andern Ausdruck gefunden.

In dieses diktatorisch regierte Brasilien also kommt Stefan Zweig 1936 zum ersten Mal. Dines beschriebt, wie Zweig – als Jude von den Regierenden skeptisch beäugt – dennoch sich dem Regime annähert, bzw. dem von regimetreuen Pseudo-Autoren dominierten PEN-Club. Es hagelt Kritik von jüdischer Seite, aber auch und vor allem von den oppositionellen Intellektuellen. Zweigs „Brasilien. Land der Zukunft“ gilt als bezahlte Auftragsarbeit der Diktatur und bringt Zweig statt der erhofften Anerkennung und Liebe nur Ablehnung und Ärger ein.

Der sensible Schriftsteller leidet unter dem Verlust der Heimat, Europas. Brasilien, wo er sich eine neuen Heimat erhofft hatte, weist ihn zurück. Dines gelingt es, aufzuweisen, dass der Selbstmord des Ehepaares Zweig keine Kurzschlussreaktion ist, sondern vom depressiven Zweig sorgfältig geplant und die Ausführung generalstabmässig abgewickelt wird.

Zeitgenössische Fotografien bringen die Zeit Zweigs in Brasilien dem Leser ein wenig näher. Alles in allem: Ein interessanter Insider-Blick auf das Brasilien Ende der 30er, Anfang der 40er, blendend geschrieben, gut dokumentiert – ein Muss für jeden Zweig-Liebhaber.

Mich, der ich es im Gegensatz zum Autor nicht bin, hat das Buch dennoch überzeugt und zumindest mit dem Menschen Zweig versöhnt.

Einziger (kleiner) Wermutstropfen: die deutsche Übersetzerin (inkl. Lektorat) haben offenbar kein Gefühl mehr für den Gebrauch des Genitivs. Sätze im Stile von „Sie ist ihm würdig“ oder „Sie bediente sich des Schriftstellers, diesem grossartigen Menschen, als Mittel zum Zweck“ dürften in einem solchen Werk einfach nicht vorkommen. Schade.

 
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