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Funkelnd und opulent

Marcel Proust "Combray"

Marcel Proust"Von Prousts "Combray", diesem völlig in Sprache und Beschreibung gelöste Nichts an Handlung, würde ich gerne endlich eine ungezuckerte Übersetzung erstellen, die den Fin-de-siècle-Firnis wegschlägt, der Prousts Härte und Eckigkeit, aber auch seine ganze Komik verbirgt", formuliert der renommierte Schriftsteller und Übersetzer Michael Kleeberg programmatisch. "Combray", in dem Marcel Proust tief in seine Kindheitserinnerungen auf dem Land eintaucht, ist der erste Teil des 1913 erschienenen ersten Bandes

"Du côté de chez Swann" des fünzehnbändigen Meisterwerkes "A la Recherche du temps perdu", gewissermaßen die wunderschön-melancholische Ouvertüre, in der alle Themen, alle Motive der gesamten Recherche bereits angeschlagen sind.

Michael Kleeberg fördert mit seiner Neuübersetzung
von Combray, Prousts Härte und Komik zu Tage.

"'Du côté de chez Swann' ist vom Verdeutscher übel zugerichtet worden. Es ist ungefähr so, wie wenn Debussy für Mundharmonika arrangiert würde", urteilte Ernst Robert Curtius einst harsch über Rudolf Schottlaenders glücklosen ersten Versuch, Marcel Proust ins Deutsche zu übertragen. Peter Suhrkamp verdanken wir die erste einheitliche deutsche Gesamtausgabe: In den sechziger Jahren übersetzt Eva Rechel-Mertens auf seine Bitte das proustsche Gesamtwerk. Erst die Frankfurter Ausgabe brachte seit 1994 eine von Luzius Keller revidierte Fassung, die die "brauchbare Grundlage" von Rechel-Mertens kritisch, doch respektvoll nutzt.

Kleeberg dagegen hat seinen ganz eigenen Zugang zu Proust gesucht und gefunden. Seine Übersetzung von "Combray", ist sicher nicht die letztgültige Fassung im Deutschen, aber die modernste, "funkelnd und opulent", wie die Kritiker urteilen. So kann man sich denn einfangen lassen von der träumerischen Stimmung, dem vordergründig tiefen Frieden, der über der französischen Provinz liegt, über die extremen Eigenheiten der Tanten und Onkel schmunzeln und vor allem tief in den äußerst geschärften Empfindungsreichtum, dieses unglaubliche Erinnerungsvermögen des Ich-Erzählers eintauchen, der eine versunkene Welt schildert.
"Wer 'Combray' liest", so Kleeberg, "scheint plötzlich sehr viel mehr Augen zu haben, mehr Tastorgane, Schmeckorgane ... Proust, - das sind die Ekstasen der reinen Anschauung."

Text von Stephanie von Selchow

 

Marcel Proust: CombrayMarcel Proust

"Combray"

Aus dem Französischen von Michael Kleeberg
Bedrucktes Leinen, 288 Seiten
€ 17,50 / SFR 27,50

 

Pressestimmen

Michael Kleebergs Proust ist der erste wirkliche deutsche Proust –
wenn dies überhaupt möglich ist.
Die Welt

Zum Autor

Marcel Proust wurde 1871 als ältester Sohn einer großbürgerlichen Familie geboren. Finanziell unabhängig, verkehrte er schon in jungen Jahren in den Salons der Pariser Aristokratie. Nach dem Tod seiner Eltern und der Verschlimmerung seines Asthmaleidens zog er sich völlig vom mondänen Leben zurück. Seine Beobachtungen der französischen Gesellschaft verdichtete er in seinem Hauptwerk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, das nach seinem Tod 1922 Weltruhm erlangte.

Weitere Informationen zum Autor: Marcel-Proust-Gesellschaft

Zum Übersetzer

Michael Kleeberg wurde 1959 in Stuttgart geboren und wuchs in Böblingen und Hamburg auf. Dort studierte er Politische Wissenschaften und visuelle Kommunikation. Nach Aufenthalten in Rom und Amsterdam zog er 1986 nach Paris und leitete dort bis 1994 eine Werbeagentur. Nach einem Aufenthalt im Burgund lebt Michael Kleeberg heute als Autor und Übersetzer in Berlin.

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