Interview mit Ramona Diefenbach
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| © Ramona Diefenbach |
Exklusiv bei der Büchergilde erschien der Debütroman von Ramona Diefenbach: Das Spiegelhaus
Ihr Roman
könnte fast das Filmdrehbuch eines Krimis sein. Sehen Sie Parallelen
zwischen dem Medium Film und dem Verfassen eines Romans?
Sicher
gibt es Parallelen zwischen Film und Buch, aber die beiden Medien
müssen doch sehr
unterschiedlich vorgehen, um die gewünschte Wirkung zu errreichen.
Bilder sehe ich beim Schreiben immer, aber da muß ich sie mit
Sprache beim Leser erzeugen, während der Film vor allem mit
visuellen Mitteln die Position seiner Protagonisten oder seine "Theorie" evozieren
sollte.
Sie
haben einen schwierigen Stoff für Ihren Roman gewählt. Wie sind
Sie auf diese Thematik gestoßen und was interessiert Sie daran besonders?
Vermutlich
ist es meistens eher so, daß der Stoff den
Autor
wählt. Der Stoff ist ein Gewebe aus Anregungen - Katalysatoren -,
die aus den unterschiedlichsten Quellen stammen, aus Erinnerungen,
Fantasien, Erzählungen, Berichten. Für Farbe, Transparenz und Faltenwurf
(also die Erscheinung) verantwortlich ist allerdings der Stil. Interessiert
hat mich besonders die Grenzsituation der Mädchen und die Illusion
aller Beteiligten, Kontrolle über Situationen und Abläufe zu haben.
Sie schildern die Ereignisse aus wechselnden Perspektiven.
Gab es eine Perspektive, die Ihnen schwerer
gefallen ist?
Nein, jede Perspektive ist interessant und
dadurch anziehend. Auch wenn es für meinen "Privatzustand"
eine sehr fremde Situation ist, die ich einnehme, funktioniere ich
beim Schreiben ziemlich mühelos als ihre Stimme. Aber eine Instanz
bleibt immer distanziert. Das ist die Sprachkontrolle, von der die
Wirkung jener Perspektive auf den Leser abhängt.
Haben Sie
literarische Vorbilder?
Es
gibt eine ganze Reihe von Autoren, die ich bewundere und sogar verehre,
aber ich würde sie nicht als Vorbilder mißbrauchen. Meiner Meinung
nach gibt es auch keine Entlastung durch Nachahmung; jeder Autor
muß die passende Haut zur jeweiligen Geschichte bilden: den Stil.
Oder eine passende Geschichte schlüpft in seine Stil-Haut.
Ihr erstes
Buch war das Kinderbuch "Buckel und Fritz". Wo liegt für Sie
der Unterschied, für Kinder und für Erwachsene zu schreiben?
Bei Kindern scheint mir wichtig, Selbstvertrauen
und eine positive Grundhaltung dem Leben gegenüber aufzubauen. Auch
wenn sich diese Einfärbung später als Illusion erweist, scheint
sie mir unabdingbar, damit Kinder sich auf diese schwierige Angelegenheit,
die das Leben ist, einlassen. Erwachsene vertragen da schon mehr
Härte, Distanz, Ironie und Reflexion. Erwachsene müssen lernen,
sich zu verabschieden. Da mag es hilfreich sein, die Schleier der
Illusion zu lüften.
Die Fragen stellte Jürgen Sander.
© Büchergilde 2000
Ramona Diefenbach: Das Spiegelhaus







