"Originalflachdruckgrafik"
Der Illustrator Thomas M. Müller in einer Rede zur Entstehung eines neuen Tollen Heftes
"Im Impressum vieler Tollen Hefte steht ein ungelenkes Wort, das auf ein Problem aufmerksam macht: Das Wort heißt Originalflachdruckgrafik und soll dem ahnungslosen Betrachter bestätigen, es mit einer Kostbarkeit zu tun zu haben. Müsste er das nicht längst gesehen haben? Und wenn nicht, nützt es dann wirklich was? Und wenn es was nützt, wem?
Ein einstmals notwendiges Reproduktionsverfahren, die Farben für die Druckgänge von Hand zu separieren, ist hier bewahrt, zu einer Rarität geworden, inzwischen zu einem teuren Spaß.
Diese Arbeitsweise bedeutet für den Zeichner Spannung bis zuletzt. Er sieht erst, wenn der Bogen mit der letzten Farbe aus der Maschine kommt, was er angerichtet hat.
Der Zeichner sollte also, schon aus Neugier und zur Beruhigung der Nerven beim Druck dabei sein. Er reist an, in einer Mappe die Vorlagen – das sind mit Bleistift oder Pausdeckrot 63 oder Tusche bearbeitete Transparentpapiere oder Folien, die, würde er sie im Zug liegen lassen, ein Finder für geheime Nachrichten einer fremden Zivilisation halten könnte. In der Druckerei werden diese Schnipsel, meist höchstens in der Größe einer Seite, und oft von der Anreise derangiert – also verschmiert und abgebröckelt – restauriert, dann auf große Folien standgerecht montiert, davon werden dann die Platten belichtet, dann wird die Farbe gemischt und gedruckt. Das alles kann schon mal 4 Tage dauern. In dieser Zeit sieht man den Herausgeber immer in der Nähe des Schauplatzes, aufgeregt als wäre die Druckerei ein Kreißsaal und er würde das erste Mal Vater werden. Seit einigen Heften spielt sich das in der Druckerei Frühmorgen & Holzmann bei Herrn Leitmeier in München ab mit dem angenehmen Nebeneffekt, zum Frühstück Weißwurst und Bier serviert zu bekommen und im Herbst eine nachdrückliche Einladung auf die Wies’n zu kriegen.“






